Wie aus dem World Investment Report 2026 der UNCTAD hervorgeht, beliefen sich die Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen nach Jordanien im Jahr 2025 auf 2.022 Mio. US-Dollar, gegenüber 1.616 Mio. US-Dollar im Jahr 2024. Dies entspricht einem Anstieg um 25,1 Prozent und ist der höchste Stand seit 2017. Auch der Gesamtbestand ausländischer Direktinvestitionen in Jordanien erhöhte sich binnen eines Jahres deutlich von 44.025 Mio. US-Dollar auf 46.075 Mio. US-Dollar. Auf die arabischen Länder entfielen 1.242 Mio. US-Dollar oder 61,3 Prozent der gesamten Zuflüsse, wie die Jordan Times basierend auf Angaben der jordanischen Zentralbank am 31. März 2026 berichtete. Die Golfstaaten trugen 30,8 Prozent bei, angeführt von Saudi-Arabien mit 16,1 Prozent, gefolgt von den VAE mit 5,3 Prozent und Kuwait mit 4,9 Prozent. Unter den anderen arabischen Ländern lag der Irak mit 9,7 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Ägypten und Libyen mit jeweils rund 6 Prozent. Europäische Länder trugen 13,7 Prozent der gesamten ausländischen Direktinvestitionen bei, darunter 9,6 Prozent aus EU-Ländern und 2,8 Prozent aus dem Vereinigten Königreich. Auf die nicht-arabischen asiatischen Länder entfielen 4,8 Prozent, angeführt von Indien mit 1,6 Prozent und China mit 1 Prozent, während die Vereinigten Staaten 3,3 Prozent beisteuerten.

Nach Sektoren betrachtet verzeichnete der Finanz- und Versicherungssektor mit 27,6 Prozent den größten Anteil an den Zuflüssen, gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe mit 11,6 Prozent, dem Immobiliensektor mit 8,8 Prozent, dem Bergbau mit 7,5 Prozent und dem Informations- und Kommunikationssektor mit 6,1 Prozent. Investitionen nicht-jordanischer Staatsangehöriger in Grundstücke und Immobilien entsprachen zudem 14,7 Prozent der gesamten ausländischen Direktinvestitionen im Jahr 2025.

Teil der größten Welle ausländischer Investitionen in der Geschichte des Königreichs ist das Projekt zur Meerwasserentsalzung und Wasserbeförderung zwischen Aqaba und Amman als großes Infrastrukturvorhaben mit einem Investitionsaufwand von 5,6 Mrd. US-Dollar. Nach Informationen des US-Medienunternehmens Engineering News-Record vom 02. Februar 2026 unterzeichnete ein Konsortium unter der Führung der französischen Unternehmen Meridiam und Suez, dem auch das französische Unternehmen Vinci Construction und das ägyptische Unternehmen Orascom Construction angehören, im Januar 2025 mit dem jordanischen Ministerium für Wasser und Bewässerung einen 30-jährigen Konzessionsvertrag nach dem „Design, Build, Finance, Operate, Maintain and Transfer“-Modell. Im Rahmen dieser private-public Partnerschaft entstehen die zweitgrößte Meerwasserentsalzungsanlage der Welt, eine 450 km lange Wasserleitung zwischen dem jordanischen Hafen Aqaba am Roten Meer und der Hauptstadt Amman sowie ein Solarkraftwerk, das rund 28 Prozent des Energiebedarfs des Projekts decken wird. Das Konsortium soll das Projekt bis 2029 in Betrieb nehmen. Gemäß Angaben der Weltbank ist an der Finanzierung des Vorhabens die International Finance Corporation (IFC) durch die Bereitstellung von Direktkrediten beteiligt. Involviert sind weitere Entwicklungsfinanzierungsinstitute wie die European Investment Bank (EIB), die Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB) sowie die Multilateral Investment Guarantee Agency (MIGA), die verschiedene Finanzierungsinstrumente und Garantien für das Vorhaben bereitstellen.

Gemäß Meldung der jordanischen Nachrichtenagentur Petra vom 21. April 2026 stellt das mit den VAE vereinbarte gemeinsame Eisenbahnprojekt im Wert von 2,3 Mrd. US-Dollar ein weiteres mit ausländischer Kapitalbeteiligung realisiertes Vorhaben dar. Hier handelt es sich um den Bau eines 360 km langen Streckennetzes, das die Phosphatminen in Shidiya und die Kaliproduktionsstätten in Ghor Al Safi direkt mit dem Industriehafen von Aqaba verbinden wird. Durch die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene zielt das Projekt darauf ab, die Logistikkosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit jordanischer Exporte zu stärken. Das Projekt ist zugleich der Auftakt für den schrittweisen Aufbau eines umfassenden nationalen Eisenbahnnetzes in Jordanien, das nach Norden in Richtung Amman und darüber hinaus mit regionalen Märkten wie Syrien, der Türkei und den Ländern des Golf-Kooperationsrats ausgebaut werden soll. Der Baubeginn ist nach dem Financial Close im Jahr 2027 vorgesehen, und die geplante Bauzeit beträgt fünf Jahre.

Jordanien treibt derzeit umfangreiche Projekte in der Kali- und Bromindustrie voran, deren Eckpfeiler eine Erweiterung der Arab Potash Company (APC) im Süden des Landes mit einem Investitionsaufwand von 1,1 Mrd. US-Dollar sowie ein Projekt der Jordan Bromine Company (JBC) im Umfang von 800 Mio. US-Dollar sind. Wie die Nachrichtenagentur Petra am 06. April 2026 weiter berichtete, stützen sich diese Initiativen in hohem Maße auf ausländische Direktinvestitionen und internationale Joint-Venture-Partnerschaften, wie beispielsweise die langjährigen Beziehungen der APC zu globalen Investoren und die zentrale Partnerschaft der JBC mit der US-amerikanischen Albemarle Corporation. Die APC exportierte im vergangenen Jahr 2,85 Mio. t Kali in 59 Länder. Die JBC betreibt die zweitgrößte Bromproduktionsanlage der Welt und exportierte im Jahr 2025 insgesamt 230.000 t in mehr als 34 Länder.

Insgesamt hat Jordanien in den letzten zehn Jahren viele Anstrengungen unternommen, um mehr ausländische Direktinvestitionen anzuziehen und seine wirtschaftliche Position zu verbessern, indem es seine Investitionsgesetze modernisiert und zahlreiche Pläne zur Förderung der Wirtschaft und zur Senkung der Arbeitslosigkeit beschlossen hat.

Im Einklang mit diesen Bemühungen steht am 19. November die EU-Jordan Investment Conference im King Hussein Bin Talal Convention Centre am Toten Meer in Jordanien an. Durch die Zusammenführung von politischen Entscheidungsträgern, Investoren, Wirtschaftsverbänden, internationalen Finanzinstitutionen sowie institutionellen Vertretern Jordaniens, der Europäischen Union und der EU-Mitgliedstaaten, inklusive deutscher Beteiligung, soll die Konferenz die seit 2025 bestehende Strategische und Umfassende Partnerschaft (SCP) in konkrete Investitionsprojekte überführen. Außerdem soll sie Möglichkeiten zur Vernetzung bieten und damit die langjährigen und starken Beziehungen zwischen Jordanien und der Europäischen Union nachhaltig stärken.