Die Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce and Industry lud vom 17. bis 19. Juni unter dem diesjährigen Motto „Beyond Transformation: Intelligence, Innovation and Impact“ zum 29. Arab-German Business Forum in das Ritz-Carlton Hotel in Berlin ein. Mehr als 450 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie über 85 Sprecherinnen und Sprecher haben dem Forum sowie den Gremiensitzungen der Ghorfa beigewohnt. Die Veranstaltung unterstrich ihre zentrale Rolle bei der Förderung der arabisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen sowie die langjährige Erfolgsgeschichte der Ghorfa als Plattform der bilateralen wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Dieses Jahr feiert die Ghorfa ihr 50-jähriges Bestehen. Als Ehrengäste wurden Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, sowie Dr. Ahmed bin Mohammed Al Sayed, Staatsminister für Außenhandelsangelegenheiten des Staates Katar, begrüßt. Als diesjähriges Partnerland nahm Katar eine herausragende Rolle ein.
Mit der Teilnahme zahlreicher Botschafterinnen und Botschafter, Präsidenten von Handelskammern, langjährigen Partnern und weiteren Ehrengästen – darunter die Ehrenpräsidenten Dr. Thomas Bach und Dr. Peter Ramsauer – setzte die Veranstaltung ein deutliches Zeichen für offene Märkte und bekräftigte das gemeinsame Engagement für eine nachhaltige wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der arabischen Welt.
Insgesamt stand das Forum im Zeichen von Resilienz, gegenseitigem Vertrauen und gemeinsamer Verantwortung. Die Teilnehmenden betonten die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit, um wirtschaftliche und geopolitische Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen und die arabisch-deutsche Partnerschaft in den kommenden Jahrzehnten weiter zu stärken und auszubauen. Die Diskussionen zeichneten ein umfassendes Bild der zukünftigen arabisch-deutschen Zusammenarbeit: von der Stärkung wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit und dem Wiederaufbau kritischer Infrastruktur über strategische Investitionen und nachhaltige Entwicklung bis hin zu Innovation, Digitalisierung und neuen Technologien.
Katar steht beispielhaft für eine dynamische Volkswirtschaft, die langfristige strategische Planung erfolgreich mit Innovation, Diversifizierung und globaler Vernetzung verbindet. Besonders im Fokus stehen dabei die in den vergangenen Jahren deutlich intensivierten Wirtschafts- und Energiebeziehungen mit Deutschland, die seit 2022 im Zuge der erweiterten Energiepartnerschaft und neuer LNG-Liefervereinbarungen weiter ausgebaut wurden. Dabei positioniert sich Katar zunehmend als verlässlicher Partner in der europäischen Energieversorgung und als wichtiger Investor in internationalen Märkten.
In seinen Eröffnungsworten betonte Olaf Hoffmann, Präsident der Ghorfa und Chairman von Dorsch Global, die Kontinuität und Zuverlässigkeit der Arbeit der Ghorfa, die inzwischen auf mehr als fünf Jahrzehnte zurückgeht, und unterlegte seine Ausführungen mit eigenen Erfahrungen als Unternehmer in der Region. Er hob hervor, dass die Partnerschaft mit der Arabischen Welt auch in Zeiten globaler wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheiten stabil geblieben sei und sich kontinuierlich weiterentwickelt habe. Angesichts tiefgreifender Veränderungen in den internationalen Lieferketten, technologischer Transformationen und verschärfter geopolitischer Spannungen müssten Unternehmen ihre Geschäftsmodelle laufend anpassen und strategisch neu ausrichten. Gleichzeitig verwies Hoffmann auf das weiterhin erhebliche, bislang nicht ausgeschöpfte Potenzial einer vertieften Zusammenarbeit zwischen beiden Regionen, insbesondere in den Bereichen Infrastruktur, Energie, Digitalisierung und nachhaltige Entwicklung.
Als eines der führenden deutschen Ingenieur- und Beratungsunternehmen ist Dorsch Global stark in der Arabischen Region engagiert und an zahlreichen Infrastruktur- und Entwicklungsprojekten beteiligt, wodurch das Unternehmen eine wichtige Brückenfunktion zwischen europäischen und arabischen Märkten einnimmt, und die praktische Umsetzung bilateraler Wirtschaftskooperationen unterstützt.
„Es scheint, dass wir heute enger verbunden sind als je zuvor. Lassen Sie uns daher unsere Volkswirtschaften in den nächsten zwei Tagen im gegenseitigen Interesse neu ausrichten, um die kommenden zwei Jahre zu gestalten und die nächsten fünf Jahrzehnte der Partnerschaft zu sichern.“
Als Vertreter des katarischen Privatsektors betonte Sheikh Khalifa Bin Jassim Bin Mohammed Al Thani, Präsident der Qatar Chamber of Commerce & Industry und Erster Vizepräsident der Ghorfa, die Bedeutung enger wirtschaftlicher Beziehungen und sprach sich für die Erschließung neuer Kooperationsfelder in einem sich rasch wandelnden globalen Umfeld aus.
Dabei verwies er auf Initiativen wie die Qatar National Vision 2030, die auf die langfristige Entwicklungsstrategie zurückgehe, positioniert sich Katar zunehmend als bedeutender Standort für Investitionen, Handel und Technologie.
Besonders hervorgehoben wurde die über Jahrzehnte verfolgte, zweigleisige Investitionsstrategie Katars. Zum Einen umfangreiche Investitionen in die nationale Infrastruktur, andererseits der Aufbau eines globalen Investitionsportfolios, unter anderem in deutsche Unternehmen. Diese Strategie habe maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität und Widerstandsfähigkeit des Landes beigetragen.
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche hob in ihrer Ansprache die strategische Bedeutung der arabisch-deutschen Zusammenarbeit für wirtschaftliche Stabilität, Energiesicherheit und Resilienz hervor. Sie betonte, dass ihre Teilnahme am Forum eine bewusste Priorität und kein optionaler Termin – Ausdruck des hohen Stellenwerts, den die Bundesregierung den Beziehungen zur arabischen Welt beimisst. Im Jahr 2025 erreichte der bilaterale Handel zwischen Deutschland und den arabischen Staaten mit 62,3 Mrd. Euro einen historischen Höchststand. Dieses Ergebnis unterstreicht die Belastbarkeit der Partnerschaft und verdeutlicht zugleich das erhebliche Potenzial für weiteres Wachstum trotz anhaltender regionaler und globaler Herausforderungen.
Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen in der Region würdigte sie die Rolle mehrerer arabischer Staaten bei Deeskalationsbemühungen und friedensfördernden Initiativen. Sie bekräftigte ihre Verurteilung der iranischen Angriffe auf wirtschaftliche Einrichtungen und zivile Ziele und unterstrich die Position der Bundesregierung seinen Partnerländern in der Region zur Seite zu stehen.
In diesem Zusammenhang bemühte sie das passende Sprichwort, das sowohl in der deutschen als auch in der arabischen Kultur einen gemeinsamen Stellenwert habe:
„Ein Freund zeigt sich in schwierigen Zeiten“
« الصديق يٌعرف وقت الضيق» : „A friend is known in hardship“
Resilienz, so Reiche, beruhe auf Diversifizierung, Vertrauen und verlässlichen Partnerschaften. Sie zeigte sich beeindruckt von der Art und Weise, wie die Staaten der Golfregion auf aktuelle Krisen reagiert hätten, insbesondere bei der Verteidigung ihres Luftraums, dem Schutz kritischer Infrastruktur und der schnellen Wiederherstellung beschädigter Anlagen.
Zudem hob sie die Vermittlerrolle Katars und Saudi-Arabiens hervor, die gemeinsam mit weiteren Partnern dazu beigetragen hätten, Verhandlungspartner nach monatelangen Gesprächen wieder an einen Tisch zu bringen. Im Namen der Bundesregierung bekundete die Bundesministerin die Solidarität Deutschlands mit den Betroffenen und sprach den Familien der Opfer jüngster Konflikte in der Region ihr Mitgefühl aus. Sie unterstrich die Position der Bundesregierung zur Zwei-Staaten-Lösung entsprechend internationaler Resolutionen.
Die Ministerin unterstrich darüber hinaus Deutschlands Rolle als verlässlicher Partner in der Region und verwies auf konkrete Beispiele der Energie- und Investitionszusammenarbeit: RWE importierte bereits 2023 die erste LNG-Lieferung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Brunsbüttel. SEFE schloss einen langfristigen Liefervertrag für LNG mit ADNOC in Abu Dhabi ab. EnBW wird ab 2028 ebenfalls entsprechende Lieferungen beziehen. Uniper entwickelt Lieferketten für grünen Ammoniak aus der Golfregion. Katar wird ab dem kommenden Jahr jährlich rund zwei Millionen Tonnen LNG nach Deutschland liefern.
Auch die Investitionen aus der Golfregion in Deutschland seien von wachsender Bedeutung. Als Beispiel nannte Reiche die Investition von XRG Abu Dhabi in Höhe von 14,7 Milliarden Euro in den deutschen Chemiekonzern Covestro – die bislang größte Investition des Unternehmens und eine der größten Golf-Investitionen in Europa. Die Genehmigung hierfür sei durch ihr Ministerium erteilt worden.
Abschließend betonte sie die Bedeutung von Initiativen wie dem India-Middle East-Europe Economic Corridor (IMEC) und einer vertieften euro-mediterranen Zusammenarbeit als Ausdruck einer stärker vernetzten Zukunft zwischen Europa, der arabischen Welt und Asien.
Dr. Ahmed Bin Mohammed Al Sayed, Staatsminister für Außenhandelsangelegenheiten des Staates Katar, bezeichnete die arabisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen als eine der fortschrittlichsten interregionalen Partnerschaften weltweit. Trotz der bereits erzielten Fortschritte sehe er noch erhebliches weiteres Potenzial.
Heute seien mehr als 300 deutsche Unternehmen in Katar tätig und leisteten wichtige Beiträge zur wirtschaftlichen Diversifizierung und Entwicklung des Landes. Gleichzeitig habe sich Katar zu einem der größten arabischen Investoren in Deutschland entwickelt – ein Ausdruck des Vertrauens in die Stärke und Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.
Die Partnerschaft sei durch zahlreiche Abkommen und Initiativen weiter vertieft worden, die Investitionen erleichtern, den Handel fördern und die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen stärken. Besondere Aufmerksamkeit widmete Al Sayed den Bereichen Innovation und Zukunftstechnologien. Als Beispiele nannte er das Deep Technology Innovation Institute (DEEP), das Creative Innovation Lab in Doha sowie das geplante AI Center, die den Austausch zwischen den Innovationsökosystemen beider Länder fördern sollen.
Darüber hinaus verwies er auf Katars umfassende wirtschaftliche Transformationsagenda im Rahmen der Qatar National Vision 2030, die auf den Aufbau einer diversifizierten, wettbewerbsfähigen und wissensbasierten Wirtschaft abzielt. Innovation, Nachhaltigkeit, private Investitionen, öffentlich-private Partnerschaften sowie moderne Infrastruktur und globale Konnektivität bildeten dabei die zentralen Säulen.
Zohour Alaoui, Botschafterin des Königreichs Marokko und Doyenne des Arabischen Diplomatischen Korps, unterstrich die Bedeutung von Dialog und aktivem Handeln in einer sich rasch wandelnden Weltordnung. So sprach Sie auch im Namen ihrer arabischen Kollegen in Deutschland. Ihr Fokus lag vor allem auf der strategischen Rolle der MENA-Region in den globalen Wirtschaftsbeziehungen. Nach ihr sollen die Arabischen Staaten und Deutschland die globalen wirtschaftlichen Entwicklungen aktiv mitgestalten, anstatt lediglich auf sie zu reagieren.
„Das internationale Wirtschaftssystem befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. In diesem von Turbulenzen geprägten Umfeld können es sich die arabischen Länder und Deutschland nicht leisten, nur Zuschauer zu sein. Sie sind unmittelbar betroffen und stehen gemeinsam vor großen Herausforderungen, aber auch vor Chancen, die nicht ungenutzt bleiben dürfen.“
Sie appellierte an beide Seiten, gemeinsame Interessen konsequent in konkrete Projekte und Investitionen umzusetzen. Angesichts des zunehmenden internationalen Wettbewerbs um strategische Partnerschaften sei jetzt der richtige Zeitpunkt für entschlossenes Handeln, denn „Zeit ist eine Ressource, die wir nicht länger verschwenden dürfen.“
Den Abschluss der Eröffnungssitzung gestaltete Dr. Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Er verwies auf die besondere Symbolkraft des 50-jährigen Bestehens der Ghorfa und hob die Rolle institutioneller Netzwerke für den Aufbau langfristiger Partnerschaften hervor.
Mit 79 Industrie- und Handelskammern in Deutschland und rund 150 Auslandsvertretungen weltweit verfüge die DIHK über eine starke internationale Präsenz. Die erste deutsche Auslandshandelskammer in der Region wurde bereits 1951 in Ägypten gegründet und legte damit den Grundstein für die heutige Zusammenarbeit.
Treier betonte, dass wirtschaftliche Kooperation letztlich auf Vertrauen zwischen Menschen beruhe. Die Aufgabe der DIHK bestehe darin, Verbindungen aufzubauen und langfristig zu pflegen – insbesondere auch dann, wenn wirtschaftliche oder politische Rahmenbedingungen schwieriger würden.
Zugleich verwies er auf das umfangreiche Netzwerk deutscher Auslandshandelskammern in der MENA-Region und bezeichnete die DIHK und Ghorfa als eng verbundene Partnerorganisationen, die gemeinsam Handel, Investitionen und wirtschaftliche Kooperation fördern.
Noch am Abend des 17. Juni veranstaltete die Ghorfa einen Empfang für die Teilnehmenden des Forums im ‚China Club‘ in Berlin, bei dem Dr. Peter Ramsauer, Bundesminister a.D. und Ehrenpräsident der Ghorfa, eine Begrüßungsrede hielt, in der er die anwesenden Delegationen willkommen hieß und betonte, dass sich die Ghorfa im Laufe der Jahrzehnte zu einer führenden institutionellen Plattform für die Förderung der wirtschaftlichen Partnerschaft zwischen den arabischen Staaten und Deutschland sowie für den Aufbau von Brücken zwischen den Wirtschaftskreisen beider Seiten in den vergangenen 50 Jahren entwickelt habe. Er lobte die Erfolge der Ghorfa und die Kontinuität ihrer Rolle bei der Förderung des wirtschaftlichen Dialogs sowie der Erweiterung von Investitions- und Handelsmöglichkeiten und bezeichnete die ununterbrochene Durchführung des Deutsch-Arabischen Business Forums als Beispiel für institutionelle Nachhaltigkeit und gegenseitiges Vertrauen, das die Ghorfa gefestigt habe. Dies und spiegele die wachsende Bedeutung der arabisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen als Grundlage für Zusammenarbeit, Entwicklung und gemeinsame Interessen vor dem Hintergrund globaler wirtschaftlicher und geopolitischer Veränderungen wider.
Zudem veranstaltete die Ghorfa am 18. Juni ein Gala-Dinner zu Ehren der Teilnehmer des Forums, bei dem Dr. Thomas Bach, Ehrenpräsident der Ghorfa und Ehrenpräsident des Internationalen Olympischen Komitees, die Grundsatzrede hielt. Darin betonte er die wachsende Bedeutung der arabisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen, insbesondere vor dem Hintergrund der geopolitischen und wirtschaftlichen Veränderungen, die die Welt heute erlebt. Er erklärte, dass die enge Partnerschaft zwischen beiden Seiten, die auf Vertrauen, Dialog und langfristiger Zusammenarbeit beruht, eine wesentliche Säule für die Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen und die Nutzung künftiger Wirtschafts- und Investitionschancen darstelle.
Er lobte den Ansatz der Ghorfa, jungen Menschen und Frauen eine größere Rolle bei der Gestaltung der Zukunft der deutsch-arabischen Wirtschaftsbeziehungen einzuräumen, und betonte, dass die Einbindung der neuen Generationen und die Stärkung der Rolle der Frau wesentliche Elemente seien, um die Nachhaltigkeit dieser Partnerschaft zu gewährleisten und sie in den kommenden Jahrzehnten weiter zu festigen.
Dr. Bach verwies auch auf den zuvor gezeigten Kurzfilm, der die wichtigsten Meilensteine der letzten 50 Jahre in der Geschichte der Ghorfa nachzeichnete, und betonte, dass die darin gezeigten Bilder herausragende Persönlichkeiten darstellten, die über die Jahrzehnte hinweg zur Festigung und Blüte der arabisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen beigetragen hätten – seien es diejenigen, die bereits verstorben seien, oder diejenigen, die ihr Engagement bis heute fortsetzten. Er lobte die Erfolge, die die Ghorfa im Laufe von fünf Jahrzehnten erzielt hat, und würdigte die Bemühungen des Generalsekretärs, Herrn Abdulaziz Al-Mikhlafi, und des derzeitigen Ghorfa-Präsidenten, Herrn Olaf Hoffmann sowie des gesamten Teams für deren Einsatz für die Weiterentwicklung der Aktivitäten der Ghorfa und die Stärkung ihrer Position.
Er würdigte zudem Dr. Peter Ramsauer, als Ehrenpräsident und in Anerkennung seiner herausragenden Rolle bei der Stärkung der Stellung der Ghorfa und der Festigung der arabisch-deutschen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen während seiner Amtszeit. Ebenso würdigte er Herrn Ali Al-Ghanim, den Ehrenpräsidenten der Ghorfa und langjährigen Vizepräsidenten, und lobte dessen kontinuierliche Unterstützung sowie seine wertvollen Beiträge zur Entwicklung der Ghorfa und zur Stärkung der arabisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen.
Dr. Bach schloss seine Rede mit der Feststellung, dass das Forum auch weiterhin eine führende Plattform bleiben werde, auf der Entscheidungsträger, Führungskräfte aus der Wirtschaft und Vertreter von Institutionen zusammenkommen, um gemeinsame Lösungen zu erarbeiten und die aktuellen Herausforderungen in Chancen für nachhaltige Entwicklung und Wohlstand zum gegenseitigen Nutzen beider Seiten zu verwandeln.
Neben dem offiziellen Empfang, dem Gala-Dinner und der offiziellen Eröffnung, fanden in den drei Tagen neun Paneldiskussionen und fünf Länderroundtables (Sudan, Tunesien, Katar, Jemen, Syrien) sowie drei geschlossene Roundtables zu Katar und Irak statt. Dabei wurde deutlich, dass die besondere Stärke der Veranstaltung nicht nur in den behandelten Themen liegt, sondern vor allem in den persönlichen Beziehungen, die durch den Austausch von Ideen und Erfahrungen entstehen.
Special Panel – From Recovery to Transformation: Private Sector Potentials for Sustainable Industrial Development in the Arab Region
Das Forum wurde mit einer Sondersitzung in Kooperation mit UNIDO, einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die die industrielle Entwicklung in Entwicklungs- und Reformländern nachhaltig fördert, eröffnet. Unter der Moderation von Prof. Dr. Khaled Hanafy, Generalsekretär der Union of Arab Chambers, umfasste das Panel aktuelle Herausforderungen und Chancen für Wiederaufbau, wirtschaftliche Erholung und nachhaltige Entwicklung in Jordanien, Syrien, Libyen und Sudan.
Dr. Fayiz Khouri, Botschafter des Haschemitischen Königreich Jordaniens, unterstrich, dass Wiederaufbau und Stabilisierung nach den jüngsten Krisen eine zentrale Priorität der Region seien. Die Herausforderung liege weniger in fehlendem Kapital, sondern vielmehr darin, geeignete Strukturen zu schaffen, um verfügbare Mittel aus internationalen und arabischen Fonds, Unternehmen und europäischen Institutionen gezielt in tragfähige Projekte zu lenken. Jordanien präsentierte er als regionalen Standort für Investitionen und Wiederaufbau mit politischer Stabilität, qualifizierten Arbeitskräften und moderner Infrastruktur. Er verwies ferner auf die bevorstehende Investitionskonferenz zwischen der Europäischen Union und Jordanien und forderte Deutsche und Arabische Unternehmen auf, diese Chancen frühzeitig zu nutzen.
Julie Marie Gekle, Expertin für Innovation und Lieferketten bei UNIDO, betonte, dass Wiederaufbau über kurzfristige Hilfsmaßnahmen hinausgehen müsse und eine langfristige industrielle Transformation erfordere. Im Mittelpunkt stünden die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen, Investitionsförderung und der Aufbau institutioneller Kapazitäten. Jordanien bezeichnete sie insbesondere in den Bereichen erneuerbare Energien und Düngemittel als positives Beispiel.
David Schmid, Berater bei UNIDO-GIZ und Partnership Catalyst bei GIZ, stellte die verstärkte Zusammenarbeit beider Organisationen vor und verwies auf gemeinsame Projekte zur grünen Transformation, unter anderem im Bereich grüner Ammoniak. Er hob die Bedeutung von Vertrauen, langfristiger Planungssicherheit und öffentlich-privaten Partnerschaften hervor. Zudem verwies er auf den Ausbau der GIZ-Präsenz in Syrien sowie auf Irak als Beispiel für erfolgreiche Förderung von KMU und Investitionsfähigkeit.
Eva Steinhaus, Regional Representative Middle East, North Africa & Pakistan, Euler Hermes Export Credit Guarantees der Bundesrepublik Deutschland, erläuterte die Rolle staatlicher Exportkreditgarantien bei der Erschließung von Investitionen in risikoreichen Märkten. Durch die gemeinsame Risikoteilung zwischen Exporteuren, Banken und Staaten könnten Investitionen insbesondere in Bereichen wie Wasser, Verkehr und Industrie ermöglicht werden. Irak wurde als erfolgreiches Beispiel für entsprechende abgesicherte Transaktionen genannt.
Ein zentrales Fazit war, dass die arabischen Länder differenziert betrachtet und Kooperationen an die jeweiligen nationalen Rahmenbedingungen angepasst werden müssen. Jordanien wurde dabei als wichtiger regionaler Partner für Wiederaufbau und Investitionsförderung hervorgehoben.
Panel 1) Partner country Qatar: Navigating Global Change: Investment, Innovation, and Strategic Cooperation in Times of Uncertainty
Unter der Moderation von Olaf Hoffmann, Präsident der Ghorfa und Vorsitzender von Dorsch Global, widmete sich das erste Panel der Frage, welche Rolle Katar als strategischer Partner Deutschlands in einer Zeit zunehmender geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten einnehmen kann. Im Mittelpunkt der Diskussion standen Investitionsmöglichkeiten, Innovationsökosysteme, technologische Zusammenarbeit sowie die Weiterentwicklung der katarisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen.
Olaf Hoffmann betonte die wachsende Bedeutung Katars als regionaler und globaler Wirtschaftspartner. Gerade in einer Phase zunehmender Fragmentierung internationaler Märkte seien verlässliche Partnerschaften, langfristiges Vertrauen und gemeinsame Zukunftsprojekte von entscheidender Bedeutung.
Anknüpfend daran hob Mohamed Bin Ahmed Al Obaidly, Vorstandsmitglied der Qatar Chamber, die Dynamik der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Katar und Deutschland hervor. Er verwies auf die wachsende Präsenz deutscher Unternehmen in Katar und betonte, dass sich das Land zunehmend von einem reinen Kapitalexporteur zu einem strategischen Investitionspartner mit langfristiger Perspektive entwickle. Gleichzeitig spiele die Qatar Chamber eine immer stärkere Rolle als Plattform für Unternehmertum, Innovation und technologieorientiertes Wachstum.
Die Bedeutung geeigneter Rahmenbedingungen für internationale Investitionen unterstrich anschließend Mansoor Bin Rashid Al Khater, CEO des Qatar Financial Centre (QFC). Er stellte Katar als attraktiven Standort für globale Unternehmen vor und verwies auf die Kombination aus strategischer Lage, wirtschaftlicher Stabilität und einem investorenfreundlichen Umfeld. Besonders hob er die laufenden Reformen sowie die Entwicklung zukunftsorientierter Sektoren wie Fintech, Künstliche Intelligenz, Cloud-Technologien und digitale Infrastruktur hervor.
Mit Blick auf die technologische Zusammenarbeit erläuterte Hakan Ozdemir, CEO von Siemens Qatar, wie Katar zunehmend als Innovationsstandort und Testfeld für neue Technologien dient. Anhand verschiedener Projekte in den Bereichen Energieeffizienz, intelligente Infrastruktur, Versorgungswirtschaft und Digitalisierung zeigte er auf, wie technologische Lösungen gemeinsam entwickelt und international weiter genutzt werden können. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der wachsenden Bedeutung von Künstlicher Intelligenz und der Notwendigkeit, digitale Innovation mit Energie- und Industrieinfrastruktur zu verbinden.
Felix Neugart, CEO von NRW.Global Business, betonte, dass die Zukunft der deutsch-katarischen Zusammenarbeit stärker auf institutionalisierte Partnerschaften zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Investoren ausgerichtet werden müsse. Nordrhein-Westfalen biete hierfür mit seinem starken Mittelstand, seinen „Hidden Champions“ und seiner Forschungslandschaft ideale Voraussetzungen für zukünftige Zusammenarbeit.
Daran anschließend widmete sich Jannik Hunecke, Mitglied des Vorstands der Deutsche Beteiligungs AG (DBAG), den Chancen internationaler Investitionen in den deutschen Mittelstand. Er unterstrich, dass die besondere Stärke der deutschen Wirtschaft in den hoch spezialisierten mittelständischen Unternehmen liege. Besonders in Bereichen wie Energieinfrastruktur, Digitalisierung, Gesundheitswirtschaft und industriellen Anwendungen von Künstlicher Intelligenz bestünden große Potenziale für zukünftige Kooperationen mit Katar.
Panel 2) Intelligence in Motion: AI, R&D, and Industry 5.0 as Drivers of Resilience, Adaptation, and Economic Stability
Das Panel, moderiert von Dietmar Siersdorfer, Gründer und CEO von nVERIX Strategic Advisory Consulting, befasste sich mit der Frage, wie Künstliche Intelligenz und digitale Transformation die industrielle Wertschöpfung, Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsfähigkeit in Europa und der Arabischen Region verändern. Im Mittelpunkt standen dabei die Verbindung von Technologie, industrieller Anwendung, Bildung und Investitionsstrategien.
Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Rolle von KI als Treiber industrieller Transformation. Prof. Dr. Sahin Albayrak, Professor an der Technischen Universität Berlin und Gründer und Vorsitzender des Center for Tangible Artificial Intelligence and Digitalization (ZEKI), betonte, dass KI längst zu einem strategischen Instrument für industrielle Innovation geworden sei. Anhand laufender Projekte in Deutschland, unter anderem im Bereich autonomes Fahren und digitale Mobilität, unterstrich er die Bedeutung enger Kooperationen zwischen Staat, Wirtschaft und Wissenschaft. Zukunftsfähige Innovationssysteme erforderten offene, international vernetzte Forschungsstrukturen sowie den gezielten Zugang zu globalen Talenten. Dabei nutzte er auch die Chance die aktuellen Projekte des ZEKI vorzustellen, eine Software die bereits von großen Automobilherstellern in Deutschland für das autonome Fahren genutzt werde beispielsweise.
Aus Sicht der wirtschaftlichen Entwicklung stellte Khalid Al Mana, VP Enterprise Development und Executive Director von Qatar Exports bei der Qatar Development Bank, die KI-Strategie Katars vor. Initiativen wie „Start-up Qatar“ zielten darauf ab, internationale Unternehmen anzuziehen und innovative Geschäftsmodelle zu skalieren. Entscheidend für erfolgreiche Innovationsökosysteme seien klare wirtschaftliche Mehrwerte, Skalierbarkeit sowie die enge Verzahnung mit nationalen Entwicklungszielen und lokaler Infrastruktur.
Die Frage, wie aus technologischen Pilotprojekten nachhaltiger Geschäftswert entsteht, beleuchtete Alaa Jaber, Managing Director SAP Qatar und Fast-Growing Markets. Er hob hervor, dass KI nur dann Wirkung entfaltet, wenn sie tief in Geschäftsprozesse integriert wird. Erfolgreiche Implementierung erfordere klare Verantwortlichkeiten, hochwertige Daten, messbaren Kundennutzen sowie organisatorische Anpassungsfähigkeit, da digitale Transformation auch einen kulturellen Wandel in Unternehmen voraussetze.
Den Bereich Bildung und Talententwicklung adressierte Prof. Dr. Ala’Aldeen Al-Halhouli, Präsident der German Jordanian University. Er stellte die Universität als Beispiel für die erfolgreiche Verbindung von akademischer Ausbildung und industrieller Praxis vor. Durch Programme wie TRIP und enge Kooperationen mit Wirtschaft und internationalen Partnern sei ein stark praxisorientiertes Ausbildungssystem entstanden, das Absolventen in regionale und internationale Arbeitsmärkte integriert. Hochschulen müssten sich zunehmend als Innovationsplattformen und Inkubatoren für Unternehmertum verstehen.
Die Perspektive der Technologieinvestitionen brachte Jonas Michaelis, Lead für Technology Investments bei Qvadrat GmbH und Gründer von Nobura, ein. Er betonte, dass KI vor allem als Transformation von Arbeits- und Entscheidungsprozessen verstanden werden müsse. Entscheidend sei die Fähigkeit von Organisationen, Technologien in skalierbare Geschäftsmodelle zu überführen und dadurch effizientere, agilere Strukturen zu schaffen.
Panel 3) Rebuilding Nations: Pathways for Sustainable Reconstruction and development – The Role of Infrastructure Investment, Technology, and International Partnerships
Das Panel befasste sich mit den zentralen Voraussetzungen für nachhaltigen Wiederaufbau in fragilen Regionen. Im Mittelpunkt standen die Rolle kritischer Infrastruktur, die Mobilisierung von Investitionen sowie die Bedeutung von Risikoteilung und öffentlich-privaten Partnerschaften. Es wurde von Dr. Kilian Bälz, Rechtsanwalt und Partner bei Amereller, moderiert.
Helmut von Struve, CEO Siemens UAE & Middle East, betonte, dass eine verlässliche Energieversorgung die Grundlage jedes Wiederaufbauprozesses bilde. Sie ermögliche die Sicherstellung der Wasserversorgung, die Wiederaufnahme industrieller Aktivitäten und weitere wirtschaftliche Entwicklung. Besonders hob er den Beitrag intelligenter Infrastrukturlösungen wie Smart Grids und Smart Metering hervor.
Tamer Shafik, Vice President Business Development bei Orascom Construction, verwies auf die umfangreiche Erfahrung des Unternehmens bei Wiederaufbauprojekten in Irak, Afghanistan und Ägypten. Er unterstrich, dass erfolgreiche Wiederaufbauvorhaben nicht nur die Errichtung neuer Infrastruktur umfassen, sondern auch langfristige Betriebs- und Wartungskapazitäten sicherstellen müssen.
Ms. Rwohdah Ibrahim Alnaimi, Director of Investment beim Qatar Fund for Development, stellte die Frage der Investierbarkeit („Bankability“) als zentrale Herausforderung heraus. Wiederaufbau müsse über die Schaffung physischer Infrastruktur hinausgehen und Beschäftigung, wirtschaftliche Impulse und nachhaltige Entwicklung fördern. Dafür seien Garantien, Risikoteilungsmechanismen und innovative Finanzierungsmodelle notwendig, um insbesondere in risikoreichen Märkten private Investitionen zu ermöglichen.
Julie Feller, Loan Officer und Country Lead for Palestine bei der European Investment Bank (EIB), erläuterte die Rolle von Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen bei der Unterstützung solcher Vorhaben. Durch langfristige Finanzierung, technische Expertise und die Reduzierung von Risiken könnten Institutionen wie die EIB öffentliche Entwicklungsziele mit den Möglichkeiten des Privatsektors verbinden.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion lag auf der Bedeutung von Risikoteilung und öffentlich-privaten Partnerschaften (PPP). Die Teilnehmenden betonten, dass PPP-Modelle zwar erhebliche Potenziale zur Mobilisierung von Kapital und Know-how bieten, jedoch klare regulatorische Rahmenbedingungen und langfristige Planungssicherheit erfordern.
Alexander Doll, Chairman DACH von CVC DIF und ehemaliger CFO der Deutschen Bahn AG, hob die langfristige Perspektive von Infrastrukturinvestitionen hervor. Um institutionelles Kapital stärker zu mobilisieren, seien stabile Rahmenbedingungen, eine klare staatliche Risikobewertung sowie die Unterstützung durch Exportkreditagenturen und multilaterale Finanzinstitutionen entscheidend.
Panel 4) Resilient Trade Corridors: Integarting Logistics, Free Zones, and Utilities under Geopolitical Pressure
Moderiert von Dr. Philipp Stompfe, Rechtsanwalt bei Stompfe International Law Firm, befasste sich das Panel mit der zunehmenden Bedeutung resilienter Lieferketten, regionaler Logistikkorridore und digitaler Infrastruktur für die Zukunft des globalen Handels. Im Mittelpunkt standen Katars Rolle als Logistik- und Investitionsstandort sowie die Anpassung internationaler Handelsstrukturen an geopolitische Veränderungen.
Sheikh Abdul Rahman Bin Fahad Al Thani, Senior Associate Business Development bei Qatar Free Zone, stellte Katars Strategie vor, das Land durch diversifizierte Investitionsplattformen und effiziente regulatorische Strukturen als wettbewerbsfähigen Logistik- und Produktionsstandort zu etablieren. Die katarischen Freizonen, darunter Standorte an Flughäfen und Häfen, bieten internationale Unternehmen attraktive Rahmenbedingungen durch vereinfachte Genehmigungsverfahren, Investorenservices und gezielte Anreize.
Er betonte, dass Resilienz im globalen Handel zunehmend bedeute, sich flexibel an Störungen anzupassen. Katar setze daher auf vielfältige Handelsrouten, die Ansiedlung von Produktionskapazitäten sowie die Diversifizierung von Lieferketten.
Marco Neelsen, Group CEO von QTerminals, hob hervor, dass Resilienz inzwischen eine strukturelle Notwendigkeit und keine strategische Option mehr sei. Globale Krisen und geopolitische Spannungen hätten die Verwundbarkeit internationaler Lieferketten deutlich gemacht. Entscheidend seien daher flexible Logistikstrukturen, alternative Transportkorridore und Investitionen in neue Infrastruktur, insbesondere im Bereich regionaler Bahnverbindungen.
Prof. Dr. Khaled Hanafy, Generalsekretär der Union of Arab Chambers, beschrieb den Wandel von klassischen, linearen Handelsstrukturen hin zu vernetzten Korridorsystemen. Zunehmend würden Modelle wie Friend-Shoring, Near-Shoring und mehrere parallele Handelsrouten an Bedeutung gewinnen. Zu den zentralen Zukunftsaufgaben zählte er den Ausbau grenzüberschreitender Infrastruktur, digitale Handelsplattformen, intelligente Zollsysteme und nachhaltige Logistiklösungen.
Die Bedeutung integrierter Verkehrssysteme unterstrich Dr. Nils Kemme, Managing Director bei HPC Hamburg Port Consulting GmbH. Er verwies darauf, dass insbesondere die Verbindung von Häfen, Bahn- und Straßennetzen sowie digitalen Plattformen entscheidend für resiliente Logistik sei. Digitalisierung sei dabei nicht allein eine technische Aufgabe, sondern erfordere auch organisatorische Veränderungen, Kooperation und Datenaustausch zwischen verschiedenen Akteuren.
Tobias Maier, CEO Middle East & Africa bei DHL Global Forwarding, betonte die zentrale Rolle des Seeverkehrs für den Welthandel. Gleichzeitig verwies er auf bestehende Schwachstellen wie Engpässe an strategischen Handelsrouten und mangelnde Transparenz bei Warenströmen. Verbesserte Tracking-Systeme, mehr Datentransparenz und die Sicherung wichtiger Seewege seien daher entscheidend für stabile globale Lieferketten.
Kareem Al-Hamed, Head of Strategy Middle East and North Africa bei Siemens Mobility GmbH, stellte die Bedeutung multimodaler Verkehrssysteme heraus, die Bahn, Straße, Häfen und Energieinfrastruktur miteinander verbinden. Effizienz dürfe heute nicht mehr ausschließlich über Kostenreduzierung definiert werden, sondern müsse auch die Fähigkeit berücksichtigen, Lieferketten in Krisensituationen aufrechtzuerhalten. In diesem Zusammenhang verwies er auf Infrastrukturprojekte in der Golfregion, insbesondere den Ausbau regionaler Bahnverbindungen.
Panel 5) Building Digital Trust and Resilience in an Era of Geopolitical Competition: Securing the Connected Economy
Erstmals erhielt das Thema Cybersecurity und Digital Trust auf dem Arab-German Business Forum eine eigene Bühne. Angesichts der zunehmenden Digitalisierung von Wirtschaft, Infrastruktur und internationalen Geschäftsbeziehungen wurde deutlich, dass digitale Sicherheit heute ein zentraler Bestandteil wirtschaftlicher Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit ist. Der Schutz digitaler Systeme, der Aufbau von Vertrauen in digitale Ökosysteme und die internationale Zusammenarbeit bei der Entwicklung sicherer Technologien gewinnen damit zunehmend an strategischer Bedeutung.
Ms. Noora Al Abdulla, Cybersecurity Advisor bei der Qatar National Cyber Security Agency, betonte, dass Cybersicherheit längst nicht mehr ausschließlich eine technische Herausforderung sei, sondern eine wesentliche Grundlage für wirtschaftliche Stabilität und Wachstum darstelle. Der Schutz digitaler Infrastrukturen sei entscheidend, um Investitionen zu ermöglichen und die Funktionsfähigkeit vernetzter Systeme sicherzustellen. Digitale Risiken müssten dabei als dauerhafte Herausforderung verstanden und kontinuierlich gemanagt werden.
Ms. Batoul Husseini, Senior Executive Director for Government Affairs & Head of Strategic Markets MENA bei SAP, hob hervor, dass digitales Vertrauen zunehmend mit wirtschaftlichem Vertrauen gleichzusetzen sei. Wettbewerbsfähigkeit hänge heute von sicheren, transparenten und verlässlichen digitalen Strukturen ab. Sie betonte unter anderem die Bedeutung digitaler Souveränität, beschleunigter Investitionen in digitale Infrastruktur sowie eines proaktiven Umgangs mit Cyberrisiken. Künstliche Intelligenz spiele dabei eine wachsende Rolle, insbesondere bei der frühzeitigen Erkennung von Bedrohungen und automatisierten Sicherheitslösungen.
Mr. Jörn Bousselmi, Managing Director der Deutsch-Tunesischen Industrie- und Handelskammer (AHK Tunesien), unterstrich die Bedeutung vertrauensbasierter Partnerschaften für die digitale Entwicklung, insbesondere zwischen Europa und Nordafrika. Am Beispiel von Initiativen wie dem MEDUSA-Projekt verwies er auf die Rolle regionaler Zusammenarbeit, digitaler Vernetzung sowie von Bildung und Fachkräfteentwicklung.
Dr. Stefan Frantzke, CEO von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie, stellte Berlin als wachsenden Standort für digitale Innovationen, insbesondere in den Bereichen Fintech und neue Technologien, vor. Er betonte, dass Cybersecurity eine gemeinsame Aufgabe von Unternehmen, öffentlichen Institutionen und internationalen Innovationsnetzwerken sei.
Mr. Falk Schroeder, Senior Partner bei Detecon (einem auf digitale Transformation spezialisierten Beratungsunternehmen der T-Systems), wies auf die zunehmende Verbindung von Telekommunikation, Künstlicher Intelligenz und geopolitischen Risiken hin. Da moderne digitale Systeme auf internationalen Technologie- und Lieferketten basierten, müsse Cybersicherheit als gemeinsame Verantwortung verstanden werden. Gleichzeitig seien flexible politische und regulatorische Rahmenbedingungen erforderlich, um mit der schnellen technologischen Entwicklung Schritt zu halten.
Panel 6) Health Without Borders: Building Resilient and Intelligent Healthcare and Hospitality Systems Amid Global Health and Systemic Challenges
Das Panel, moderiert von Wolf Schwippert, Rechtsanwalt bei Schwippert Law Office, widmete sich der Frage, wie Gesundheitssysteme in Europa, der Golfregion und der arabischen Welt angesichts demografischer, technologischer und wirtschaftlicher Veränderungen zukunftsfähig gestaltet werden können. Im Mittelpunkt standen neue Versorgungsmodelle, Public-Private-Partnerships, medizinische Innovation, Prävention, Digitalisierung sowie die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit.
Ein Blick auf die Entwicklungen in der Golfregion zeigte, wie stark sich Gesundheitssysteme derzeit weiterentwickeln. Ian Lindsay, Berater des Präsidenten des Economic Development Board Bahrain (EDB) und ehemaliger Botschafter, verwies auf Bahrains langjährige Rolle als regionaler Vorreiter im Gesundheitsbereich. Er betonte, dass der Gesundheitssektor zunehmend zu einem wichtigen Bestandteil nationaler Entwicklungsstrategien geworden sei – getragen von wirtschaftlicher Diversifizierung, einer wachsenden Nachfrage nach Gesundheitsleistungen und verstärkter internationaler Zusammenarbeit. Noch 2005 betrug der Anteil des Öl- und Gassektors am Bruttoinlandsprodukt Bahrains rund 40 %, während er heute nur noch etwa 14 % beträgt. Dies verdeutlicht den Erfolg der wirtschaftlichen Diversifizierung des Landes.
Die Bedeutung von Public-Private-Partnerships (PPP) für die Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung erläuterte Dr. Zoltan Varga, Chief Medical Officer bei Apex Health in Katar. Er stellte internationale Gesundheitsprojekte des Unternehmens in Ländern wie Katar, Irak, Libyen und Algerien vor und betonte, dass erfolgreiche Modelle an die jeweiligen nationalen Rahmenbedingungen angepasst werden müssten. Ein wichtiger Erfolgsfaktor sei die Verbindung internationaler Expertise mit lokalen Strukturen, unter anderem durch die Zusammenarbeit mit deutschen medizinischen Einrichtungen und Fachkräften.
Aus Sicht der Pharmaindustrie beleuchtete Dr. Redouane Soualmi, Head of Public Government Affairs IMETA bei Boehringer Ingelheim Middle East & North Africa, die Herausforderungen zwischen medizinischer Innovation und dem Zugang zu modernen Therapien. Trotz erheblicher Investitionen in Forschung und Entwicklung bleibe die Sicherstellung einer breiten Verfügbarkeit innovativer Behandlungsmöglichkeiten eine zentrale Herausforderung. Er unterstrich die Bedeutung von Kooperationen zwischen öffentlichem und privatem Sektor sowie gezielter Programme zur Verbesserung des Patientenzugangs.
Die Notwendigkeit stärker vernetzter Versorgungssysteme stellte Alexander Föhr, Leiter des Berliner Büros des Universitätsklinikum Heidelberg, heraus. Moderne Gesundheitsversorgung müsse über einzelne Institutionen hinaus gedacht werden und Krankenhäuser, Primärversorgung, Rehabilitation sowie digitale Gesundheitslösungen stärker miteinander verbinden. Universitätskliniken könnten dabei als zentrale Knotenpunkte für Qualität, Forschung und Ausbildung fungieren. Entscheidend sei ein patientenorientierter Ansatz, der sich an Versorgungsergebnissen und nicht ausschließlich an institutionellen Strukturen orientiert.
Den gesundheitsökonomischen Blickwinkel ergänzte Kay Petrisor, Head of Strategy and Business Development beim WifOR Institute. Er betonte, dass Gesundheit als strategische Investition in gesellschaftliche und wirtschaftliche Stabilität verstanden werden müsse. Insbesondere Prävention und frühzeitige Interventionen könnten langfristig erhebliche positive Effekte erzielen. Dafür seien jedoch bessere Bewertungsinstrumente und eine stärkere Verankerung von Gesundheitszielen in politischen und wirtschaftlichen Strategien erforderlich.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion lag auf internationaler Zusammenarbeit in Forschung, Innovation und Fachkräfteentwicklung. Die Teilnehmenden verwiesen darauf, dass medizinische Forschung und Entwicklung weiterhin stark auf wenige Regionen konzentriert sei und der Ausbau internationaler Innovationsökosysteme notwendig bleibe. Gleichzeitig wurde der weltweite Mangel an medizinischem Personal, insbesondere im Pflegebereich, als zentrale Herausforderung hervorgehoben. Ausbildungs- und Austauschprogramme zwischen europäischen und arabischen Institutionen wurden als wichtige Ansätze zur Stärkung von Fachkräften und Wissenstransfer genannt.
Panel 7) The Energy- Water Nexus: Eco-Blueprints for a Sustainable and Secure Future
Das Panel, moderiert von Mohammed Haykal, Chairman der Haykal Group und Deputy Chairman des Syrian Strategic Forum, widmete sich der Frage, wie nachhaltige Infrastruktur, Klimaanpassung und digitale Technologien zur Bewältigung zentraler Herausforderungen in der MENA-Region beitragen können. Im Mittelpunkt standen insbesondere die Verbindung von Energie- und Wassersicherheit, grüne Technologien, Digitalisierung sowie die Rolle internationaler Partnerschaften bei Infrastrukturentwicklung und Wiederaufbau.
Anita Richter, Leiterin des Projekts Policy Dialogue and Knowledge Management on Climate Protection Strategies bei der GIZ für das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN), ordnete die Diskussion in den Rahmen der internationalen Klimakooperation Deutschlands ein. Sie betonte, dass die MENA-Region als unmittelbare Nachbarregion Europas besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen sei, insbesondere durch Wasserknappheit und zunehmende Belastungen für Infrastruktur und Gesellschaft. Als wichtige Instrumente nannte sie die deutsche Exportinitiative für Klimaschutz sowie geeignete Finanzierungs- und Regulierungsmodelle, um Investitionen in grüne Technologien zu fördern. Entscheidend sei, Klimaziele in konkrete Projekte umzusetzen – insbesondere im Bereich effizienter und resilienter Wassersysteme.
Die Bedeutung digitaler Innovationen für den Wassersektor stellte Yasser Nagi, Managing Director bei Wilo Middle East & Africa, heraus. Am Beispiel von „Water AI“ zeigte er auf, wie Künstliche Intelligenz durch vorausschauende Wartung, Leckageerkennung und optimierte Verbrauchssteuerung zur Effizienzsteigerung beitragen kann. Wassersysteme würden zunehmend zu datenbasierten Infrastrukturnetzen, bei denen digitale Technologien eine zentrale Rolle für Nachhaltigkeit und Resilienz spielen.
Joachim Pfeiffer, Vizepräsident der Ghorfa und Managing Partner bei MACONSO GmbH, betonte, dass die zentrale Herausforderung der Energie-Wasser-Verbindung nicht zwingend in der Verfügbarkeit von Ressourcen liege, sondern teils auch in deren Integration. Besonders die Golfregion verfüge durch hohe Solarenergiepotenziale und Entsalzungskapazitäten über große Möglichkeiten für kombinierte Energie- und Wasserlösungen. Voraussetzung seien jedoch vernetzte Systeme, darunter intelligente Stromnetze, Wasserinfrastruktur sowie Transportlösungen für neue Energieträger wie Wasserstoff und Ammoniak.
Auf die strukturellen Herausforderungen beim Ausbau kritischer Infrastruktur ging Marco Fleckenstein, Executive Director Electrical Systems & Networks bei Fichtner GmbH & Co. KG, ein. Er verwies darauf, dass zunehmend nicht die Energieerzeugung selbst, sondern Netzkapazitäten, Lieferketten und langwierige Planungsprozesse die entscheidenden Engpässe darstellen. Angesichts steigender Nachfrage durch Elektrifizierung und digitale Infrastrukturen seien langfristige Planung und frühzeitige Koordination notwendig.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Bedeutung digitaler Lösungen für Wiederaufbau und Governance in fragilen Regionen. Kinda Chebib, Strategic Advisor, MENA Investment Intellligence & Digital Transformation bei der Oxford Business Group, stellte heraus, dass Wiederaufbau nicht nur physische Infrastruktur umfasse, sondern auch eine verlässliche digitale Grundlage benötige. Transparente Datensysteme, digitale Zwillinge, KI-gestützte Planung und nachvollziehbare Projektstrukturen könnten dabei helfen, Infrastrukturprojekte effizienter und vertrauenswürdiger umzusetzen. Sie betonte zudem die Bedeutung eines koordinierten Ansatzes, bei dem Golfstaaten Finanzierung, Europa Technologie und Ausbildung sowie lokale Partner regionales Wissen einbringen.
Closing Session- The Power of Partnership Diplomacy for a Connected Future of Stability and Growth
Die Abschlusssitzung, eröffnet und moderiert von Dr. Florian Amereller, Gründungspartner bei Amereller Rechtsanwälte und Mitglied des Vorstands bei der Ghorfa, brachte hochrangige Regierungsvertreter aus der arabischen Welt und Deutschland zusammen, um die Zukunft der arabisch-deutschen Beziehungen vor dem Hintergrund geopolitischer Veränderungen, wirtschaftlicher Herausforderungen und neuer Kooperationsmöglichkeiten zu diskutieren.
Im Mittelpunkt stand die Bedeutung strategischer Partnerschaften, die Stärkung wirtschaftlicher Resilienz, neue Wege der regionalen Vernetzung sowie die Chancen in Bereichen wie Energie, Innovation, Technologie und nachhaltige Entwicklung.
Abdalla Al Hamar, Botschafter des Staates Katar, betonte die besondere Tiefe der deutsch-katarischen Beziehungen, die weit über Handel und Investitionen hinausgingen. Die Partnerschaft basiere auf Vertrauen, gemeinsamen Interessen und langfristiger Zusammenarbeit. Künftig werde die Kooperation zunehmend durch Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, Logistik, kritische Infrastruktur und strategische Industrieinvestitionen geprägt sein. Zudem unterstrich er die Bedeutung von Diplomatie und Vermittlung als zentrale Elemente regionaler Stabilität.
Wacef Chiha, Botschafter der Republik Tunesien, begrüßte die jüngsten Bemühungen um regionale Deeskalation, betonte jedoch, dass dauerhafter Frieden eng mit der Lösung der Palästinafrage verbunden bleibe. Er hob Tunesiens Partnerschaft mit Deutschland und Europa auf Grundlage von Gleichberechtigung und gemeinsamen Interessen hervor und verwies auf die industrielle Entwicklung des Landes, insbesondere im Automobilsektor, als Beispiel für Tunesiens Potenzial als langfristiger Wirtschaftspartner Deutschlands.
Dr. Mohamed Elbadri, Botschafter der Arabischen Republik Ägypten, unterstrich die Notwendigkeit pragmatischer Lösungen in einer zunehmend vernetzten Welt. Die derzeitige Krise im Roten Meer und in der Straße von Hormuz verdeutliche die Verwundbarkeit globaler Lieferketten und zeige die Bedeutung strategischer Investitionen Europas – sowohl finanziell, als auch politisch. Gleichzeitig verwies er auf das Potenzial der Arabischen Region, sich zu einem wichtigen Zentrum für erneuerbare Energien und grünen Wasserstoff zu entwickeln. Er hob die Rolle Ägyptens als zuverlässigen Partner für Entwicklung und Wohlstand in der arabischen Welt sowie auf dem afrikanischen Kontinent hervor. Zudem unterstrich er die enge und strategische Partnerschaft Ägyptens mit Deutschland und der Europäischen Union.
Dr. Fayiz Khouri, Botschafter des Haschemitischen Königreichs Jordanien, hob die Bedeutung erfolgreicher Diplomatie und die Stabilität Jordaniens trotz erheblicher regionaler Herausforderungen hervor. Partnerschaften müssten seiner Ansicht nach stärker auf konkrete Ergebnisse ausgerichtet sein und Investitionen, Beschäftigung und nachhaltige Entwicklung fördern. Zudem betonte er die Bedeutung von Bildung und Fachkräfteentwicklung sowie die komplementären demografischen Potenziale Europas und des Nahen Ostens. In diesem Zusammenhang verwies er auf die geplante EU-Jordan Investment Conference zur Stärkung regionaler Vernetzung und wirtschaftlicher Zusammenarbeit.
Aus Sicht der deutschen Bundesregierung betonte Ralph Böhme, Leiter der Abteilung V „Außenwirtschaftspolitik“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), die Bedeutung stabiler und widerstandsfähiger Wirtschaftsbeziehungen. Er verwies auf die enge Handelsbeziehung zwischen Deutschland und den arabischen Staaten sowie die Notwendigkeit diversifizierter Lieferketten und strategischer Investitionen. Als wichtige Zukunftsperspektive nannte er den India-Middle East-Europe Economic Corridor (IMEC), der neue Möglichkeiten für wirtschaftliche Vernetzung und Infrastrukturentwicklung schaffen könne.
Botschafter Clemens Hach, Leiter der Abteilung Nahost und Nordafrika im Auswärtigen Amt, betonte, dass die arabische Welt nicht ausschließlich durch Krisen betrachtet werden dürfe. Vielmehr gebe es zahlreiche Beispiele für Stabilität, Innovation und wirtschaftliche Entwicklung. Er verwies auf die Bedeutung diplomatischer Bemühungen zur Deeskalation, Deutschlands Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung sowie die wachsende strategische Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und dem Golfkooperationsrat.
Daniel Krebber, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland im Irak, unterstrich aus seiner Erfahrung die enge Verbindung zwischen wirtschaftlicher Zusammenarbeit und politischer Stabilität. Er verwies auf die Bedeutung von Themen wie Terrorismusbekämpfung, Migration, Klimapolitik und regionaler Vernetzung für erfolgreiche Partnerschaften. Zudem hob er die Rolle von Instrumenten wie der „Sovereign Guarantee Initiative“ hervor, die deutschen Unternehmen Investitionen im Irak erleichtern, und betonte die zunehmende Bedeutung alternativer Handelsrouten und resilienter Logistikstrukturen.
Interaktive, länderspezifische Gesprächsrunden zur Vertiefung der wirtschaftlichen Kooperation
Neben den zentralen Plenarsitzungen umfasste das 29. Arabisch-Deutsche Wirtschaftsforum länderspezifische Gesprächsrunden, die eine einzigartige Plattform zur Stärkung des bilateralen Dialogs zwischen den arabischen Staaten und Deutschland bildeten und einen Raum für einen intensiveren und gezielteren praktischen Austausch zwischen den Geschäftspartnern beider Seiten boten.
Dieses interaktive Format in kleinerem Rahmen bot die Gelegenheit, die Kooperationsstrategien eines einzelnen Landes zu erörtern und sektorale Herausforderungen direkt zu diskutieren, und so umsetzbare Wege der bilateralen Zusammenarbeit umzusetzen. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Erweiterung der Partnerschaftsmöglichkeiten in wichtigen Bereichen wie Bildung, Digitalisierung, Unternehmertum und auch zum Wiederaufbau nach Konflikten
An diesen Rundtischgesprächen nahmen Vertreter von Regierungen, der Privatwirtschaft, Entwicklungsorganisationen und akademischen Kreisen teil. Dabei wurden Sichtweisen zu aktuellen Trends ausgetauscht, konkrete Investitionsmöglichkeiten ermittelt sowie gemeinsame Ansätze entwickelt, die die bilateralen Partnerschaften zwischen den Unternehmensvertretern aus den arabischen Staaten und Deutschland stärken und damit die Rolle der Plenarsitzungen bei der Festlegung des allgemeinen strategischen Rahmens für die Wirtschaftsbeziehungen ergänzen.
Sudan
Der Länder-Roundtable zum Sudan widmete sich den aktuellen Prioritäten beim Wiederaufbau sowie den Investitionsmöglichkeiten für internationale Partner, insbesondere für deutsche Unternehmen. Die Sitzung wurde von Idris Saeed, stellvertretender Missionschef der Botschaft der Republik Sudan, moderiert. Zu den Rednern gehörten Ilham Ibrahim Mohamed Ahmed, Botschafterin der Republik Sudan, sowie Mohannad Siddig, Mitglied des Sudanesischen Arbeitgeberverbandes und Vorsitzender des Verwaltungsrats der Castries General Trading Company.
Botschafterin Ilham Ibrahim Mohamed Ahmed eröffnete die Diskussionsrunde und bekräftigte das Engagement des Sudan für den Wiederaufbau sowie die Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit internationalen Partnern. Sie hob die zentrale Rolle des Privatsektors bei der Unterstützung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus und der langfristigen Entwicklung des Landes hervor.
Herr Idrees Saeed gab einen Überblick über die aktuelle Lage im Sudan. Trotz der Herausforderungen infolge des Konflikts betonte er, dass in vielen Landesteilen bereits deutliche Fortschritte bei der Wiederherstellung von Stabilität erzielt worden seien. Zu den wichtigsten Entwicklungen als Treiber für Stabilisierung zählte er die Rückkehr der Regierung und staatlicher Institutionen nach Khartum, die Wiedereröffnung von Schulen und Universitäten sowie die Wiederaufnahme grundlegender öffentlicher Dienstleistungen in mehreren Bundesstaaten und Regionen, was auch die Rückkehr der Vereinten Nationen und humanitären Organisationen nach Khartum und in weitere Landesteile bedingte.
Im Rahmen der Diskussion wurden mehrere Sektoren identifiziert, die erhebliche Chancen für internationale Kooperationen und Investitionen bieten. Besonderes Augenmerk galt dem Elektrizitätssektor, in dem ein hoher Bedarf an Transformatoren, Netzausrüstung und weiterer Energieinfrastruktur besteht. Deutsche Unternehmen, die im Sudan traditionell einen ausgezeichneten Ruf genießen, wurden ausdrücklich dazu ermutigt, wieder in den Markt einzutreten.
Darüber hinaus wurden die Bereiche Bergbau, erneuerbare Energien und Landwirtschaft als weitere strategische Sektoren mit erheblichem Wachstumspotenzial hervorgehoben. Herr Muhanad Siddig, Mitglied des sudanesischen Wirtschaftsverbands und Vorsitzender von Castries General Trading, berichtete aus der unternehmerischen Praxis und verwies auf die hohe Qualität sowie den überdurchschnittlichen Marktwert von sudanesischem Sesam im internationalen Vergleich. Zudem unterstrich er die reichlich vorhandenen Wasserressourcen des Landes sowie das große Potenzial für eine zertifizierte ökologische Landwirtschaft.
Die Redner riefen Investoren dazu auf, die Möglichkeiten der sudanesischen Freihandelszonen – insbesondere in Port Sudan und Khartum – zu nutzen. Investitionen in diesen Zonen böten zusätzlichen Schutz, attraktive Anreize sowie ein günstiges Umfeld für internationalen Handel und industrielle Aktivitäten. Zugleich appellierten sie an Investoren, die langfristigen wirtschaftlichen Perspektiven und die strategische Lage des Sudan stärker zu berücksichtigen und den Fokus nicht ausschließlich auf die aktuellen Herausforderungen zu richten.
In ihren Schlussworten betonte Botschafterin Ilham Ibrahim Mohamed Ahmed erneut, dass der Sudan trotz der aktuellen Herausforderungen attraktive Geschäftsmöglichkeiten in zahlreichen Wirtschaftsbereichen bietet. Sie ermutigte interessierte Unternehmen, den direkten Austausch mit sudanesischen Partnern zu suchen, und kündigte an, dass die Botschaft der Republik Sudan weiterhin als Ansprechpartner für die Vermittlung von Geschäftskontakten sowie für weiterführende Informationen zur Verfügung steht.
Die Teilnehmenden wurden außerdem eingeladen, an einer für die weite Hälfte des Jahres 2026 geplanten Wirtschaftsdelegationsreise in den Sudan teilzunehmen, um sich vor Ort ein Bild von den Investitionsmöglichkeiten und dem Wiederaufbaubedarf zu machen.
Tunesien
Zu den Rednern der Sitzung gehörten Wassif Chiha, Botschafter der Republik Tunesien in Deutschland, Jörn Bouslami, Geschäftsführer der Deutsch-Tunesischen Industrie- und Handelskammer (AHK Tunesien), sowie Saïda Khaouli, Direktorin der Agentur für die Förderung ausländischer Investitionen in Tunesien (FIPA Tunisia) für Deutschland.
Der Roundtable zu Tunesien verdeutlichte, dass Tunesien deutschen Unternehmen ein äußerst attraktives Umfeld für Nearshoring, industrielle Partnerschaften und innovationsgetriebene Kooperationen bietet. Gut ausgebildete Fachkräfte, die geografische Nähe zu Europa, wettbewerbsfähige Kostenstrukturen, umfangreiche Investitionsanreize sowie eine wachsende Kompetenz in Zukunftstechnologien positionieren Tunesien als strategischen Partner für die künftige deutsch-arabische Wirtschaftskooperation.
Botschafter Wacef Chiha betonte das langjährige Engagement Tunesiens für die Förderung ausländischer Direktinvestitionen (FDI). Er erinnerte daran, dass Tunesien zu den ersten Ländern der Region gehörte, die ein gesetzliches Rahmenwerk zur Erleichterung ausländischer Investitionen geschaffen haben. Dabei hob er hervor, dass tunesische und ausländische Investoren nach tunesischem Recht gleichbehandelt werden und von denselben rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Investitionsanreizen profitieren. Obwohl der tunesische Binnenmarkt rund zwölf Millionen Verbraucher umfasst, verwies Botschafter Chiha auf den privilegierten Zugang des Landes zu den benachbarten arabischen und afrikanischen Märkten, der durch regionale und bilaterale Handelsabkommen ermöglicht wird.
Frau Saida Kahouli von FIPA Tunisia stellte Tunesien als attraktiven Nearshoring-Standort und Plattform für industrielle Integration deutscher und internationaler Unternehmen vor. Sie hob insbesondere das hohe Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte hervor und verwies darauf, dass jährlich mehr als 10.000 Ingenieurinnen und Ingenieure sowie IT-Fachkräfte die tunesischen Hochschulen absolvieren. Nach ihren Angaben trägt die Digitalwirtschaft inzwischen mehr als zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt Tunesiens bei und umfasst über 2.200 Technologieunternehmen, die unter anderem in den Bereichen Softwareentwicklung, Forschung und Entwicklung, Künstliche Intelligenz sowie Embedded Systems tätig sind.
Besondere Aufmerksamkeit galt den Anstrengungen Tunesiens zur Förderung von Industrie 4.0, Innovation und der grünen Transformation. Laufende Investitionen in Solar- und Windenergie sollen eine nachhaltige und wettbewerbsfähige industrielle Produktion für die europäischen Märkte gewährleisten. Als staatliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Wirtschaftsministeriums begleitet FIPA Tunisia Investoren während des gesamten Investitionsprozesses und bietet umfassende Unterstützung.
Herr Jörn Bousselmi von der AHK Tunesien unterstrich das langjährige und kontinuierlich wachsende Engagement deutscher Unternehmen in Tunesien. Er verwies darauf, dass sich dort inzwischen mehr deutsche Unternehmen angesiedelt haben als an einigen konkurrierenden Standorten der Region und dass deutsche Investitionen sowohl hinsichtlich der Beschäftigtenzahl als auch der Geschäftstätigkeit stetig zunehmen.
Besonders hervorgehoben wurde der laufende Strukturwandel, der mit dem Leitmotiv „von Handarbeit zu Kopfarbeit“ beschrieben wurde. Dieser verdeutlicht die wachsende Bedeutung von Ingenieurdienstleistungen, IT-Aktivitäten, Forschung und Entwicklung, Cybersicherheit sowie digitalen Lösungen. Zunehmend entstehen Kompetenzzentren und Engineering-Hubs, die konzernweit Dienstleistungen in den Bereichen Softwareentwicklung, Cybersicherheit und digitale Infrastruktur erbringen.
Obwohl die Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte Herausforderungen mit sich bringt, wurden die Netzwerke der tunesischen Diaspora zugleich als wichtiger Motor für Innovation, internationale Zusammenarbeit und die Förderung von Investitionen hervorgehoben.
Katar
Die Gesprächsrunde zu Katar, an der unter anderen Abdullah Al Hamar, Botschafter des Staates Katar in Deutschland sowie Scheikh Khalifa bin Jassim bin Mohammed Al Thani, Präsident der Qatar Chamber teilnahmen, wurde moderiert von Maryam Mamouzai, CEO und Rechtsanwältin der Kanzlei MM Legale.
Zu den Sprechern gehörten Faisal Al Ibrahim, Senior Specialist für internationale und nationale Angelegenheiten bei Invest Qatar, Scheikha Hessa Nasser Al Thani, Leiterin des Bereichs Professional Services für Katar sowie den Nahen Osten und Nordafrika beim Qatar Financial Centre (QFC) und Hakan Özdemir, CEO von Siemens WLL.
Der Roundtable verdeutlichte den Anspruch Katars, sich als führender globaler Investitions- und Innovationsstandort zu etablieren und internationalen Investoren ein stabiles sowie unternehmensfreundliches Umfeld zu bieten. Die Referierenden hoben insbesondere die starken makroökonomischen Rahmenbedingungen, die moderne Infrastruktur, investorenfreundliche Regulierungen sowie die strategisch günstige geografische Lage des Landes hervor.
Besondere Aufmerksamkeit galt den laufenden Bemühungen Katars zur Diversifizierung seiner Wirtschaft im Rahmen der Qatar National Vision 2030 sowie der Third National Development Strategy (NDS3). Ziel dieser Strategie ist es, bis 2030 ausländische Direktinvestitionen in Höhe von kumuliert 100 Milliarden US-Dollar zu gewinnen und die Entwicklung der nicht auf Kohlenwasserstoffen basierenden Wirtschaftssektoren weiter voranzutreiben.
Vertreter von Invest Qatar und des Qatar Financial Centre stellten die vielfältigen Anreize und Unterstützungsangebote für ausländische Investoren vor, während Hakan Ozdemir von Siemens Middle East berichtete aus der Praxis eines langjährig erfolgreichen deutschen Investors in Katar.
Herr Ozdemir betonte, dass Katar das einzige Land des Golf-Kooperationsrates (GCC) ist, in dem Siemens direkte Eigenkapitalinvestitionen getätigt hat – ein deutliches Zeichen für das große Vertrauen des Unternehmens in den katarischen Markt. Darüber hinaus fungiert Katar als regionales Drehkreuz für die Geschäftsaktivitäten von Siemens im Irak, in Ägypten, Afrika, Asien und weiteren Märkten. Ausschlaggebend hierfür seien die hervorragende logistische Infrastruktur sowie die exzellente internationale Anbindung des Landes.
Künstliche Intelligenz wurde als die entscheidende Querschnittstechnologie identifiziert, die das zukünftige Wachstum in nahezu allen Wirtschaftsbereichen prägen wird, darunter Gesundheitswesen, Bildung, Energie, Infrastruktur und Versorgungswirtschaft.
Die Referierenden betonten zudem, dass Katar eine besonders hohe Bereitschaft zeigt, innovative Technologien einzuführen und in diese zu investieren. Das Land nehme häufig eine Vorreiterrolle bei der Einführung neuer digitaler Lösungen ein.
Darüber hinaus diskutierten die Teilnehmenden die Möglichkeit für deutsche Start-ups, parallel Standorte in Deutschland und Katar aufzubauen und Katar als Plattform für die internationale Expansion in die MENA-Region sowie nach Afrika und Asien zu nutzen.
In seinen Schlussworten bekräftigte der Botschafter des Staates Katar in Deutschland, Abdalla Al-Hamar, das starke Engagement der katarischen Regierung für die Schaffung eines investorenfreundlichen Wirtschaftsumfelds und die aktive Unterstützung internationaler Unternehmen. Er betonte, dass Katar nicht nur ausländische Investitionen anziehen, sondern auch den langfristigen Erfolg der im Land tätigen Unternehmen nachhaltig fördern wolle.
Jemen
Die Gesprächsrunde zum Jemen an der unter anderen der Ehrenpräsident der Ghorfa und Ehrenpräsident des IOC Dr. Thomas Bach teilnahm und die von dem Ghorfa-Generalsekretär Abdulaziz Al-Mikhlafi moderiert wurde, verdeutlichte sowohl die erheblichen Herausforderungen als auch das langfristige wirtschaftliche Potenzial des Landes. Trotz des anhaltenden Konflikts und der humanitären Krise verwiesen die Referierenden auf eine Reihe ermutigender politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen. Dazu zählen die Bildung einer neuen Regierung, Fortschritte bei institutionellen Reformen, die erneute Zusammenarbeit mit internationalen Finanzinstitutionen sowie die zunehmende Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft.
Thomas Schneider, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland im Jemen, erklärte, dass sich trotz des schwierigen Sicherheitsumfelds in den vergangenen Monaten wichtige politische Entwicklungen vollzogen hätten. Er hob insbesondere die Einsetzung einer neuen Regierung sowie die schrittweise Konsolidierung staatlicher Institutionen hervor. Nach Einschätzung des Botschafters stellen die Zusammenführung der Streitkräfte unter ein einheitliches Kommando sowie die Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit internationalen Finanzinstitutionen wesentliche Schritte auf dem Weg zu einer langfristigen Stabilisierung dar.
Loai Al-Eryani, Botschafter der Republik Jemen in Deutschland, betonte, dass die neue jemenitische Regierung von Aden aus arbeite und erstmals in der Geschichte des Landes drei Frauen Ministerämter innehätten. Er unterstrich, dass die Stärkung staatlicher Institutionen, die Wiederherstellung des Friedens sowie die Rückkehr des Jemen auf die internationale politische Agenda weiterhin oberste Priorität besitzen.
Angesichts der sehr unterschiedlichen regionalen Gegebenheiten im Jemen wurde hervorgehoben, dass Investitionsstrategien an die jeweiligen lokalen Rahmenbedingungen angepasst werden sollten, anstatt das Land als einheitlichen Markt zu betrachten. Clusterbasierte Initiativen sowie ein schrittweises Engagement könnten internationalen Unternehmen geeignete Einstiegsmöglichkeiten bieten und gleichzeitig Vertrauen schaffen sowie die lokale wirtschaftliche Entwicklung fördern.
Dr. Mahmoud Gaber, General Manager bei German Medical Solutions (GMS), berichtete aus dem Gesundheitssektor über erfolgreiche Kooperationsprojekte mit Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen, darunter Vorhaben im Bereich von Herzzentren, MRT-Technologie, mobilen Krankenhäusern und medizinischer Infrastruktur. Herr Olaf Hofmann von Dorsch Global stellte darüber hinaus die laufenden Arbeiten an einem nachhaltigen Tourismus-Masterplan für die Insel Sokotra vor.
In ihren Schlussworten betonten Botschafter Schneider und Botschafter Al-Eryani, dass es entscheidend sei, die internationale Aufmerksamkeit für den Jemen aufrechtzuerhalten und wirtschaftliche Perspektiven zu schaffen. Plattformen wie das Arabisch-Deutsche Wirtschaftsforum leisteten einen wichtigen Beitrag dazu, internationale Partnerschaften zu stärken und konkrete Kooperationsmöglichkeiten zu identifizieren.
Syrien
Die Gesprächsrunde zu Syrien wurde von Mohammad Haykal, Vorsitzender der Haykal Group, moderiert. An der Diskussion nahmen zudem folgende Persönlichkeiten teil: Botschafter Clemens Hach, Leiter der Abteilung Naher Osten und Nordafrika, Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland; Mohammad Bara’a Shukri, Geschäftsträger der Botschaft der Arabischen Republik Syrien; Helmut von Struve, CEO von Siemens in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Nahen Osten; Dr. Charles Malik, Präsident der Organisation syrischer Techniker; Walid Sahari, Vorsitzender des syrisch-deutschen Wirtschaftscouncils.
Der Roundtable zu Syrien befasste sich mit dem laufenden Transformationsprozess des Landes, den Perspektiven für eine wirtschaftliche Erholung sowie den Möglichkeiten einer internationalen Beteiligung am Wiederaufbau und an der Modernisierung Syriens. Die Referierenden waren sich einig, dass sich Syrien erst am Beginn eines langen und komplexen Übergangsprozesses befindet. Trotz weiterhin erheblicher politischer, wirtschaftlicher und institutioneller Herausforderungen wurde eine zunehmende Dynamik in Richtung Stabilisierung, wirtschaftlicher Öffnung und einer stärkeren internationalen Einbindung festgestellt.
Mehrere Teilnehmer betonten, dass die wirtschaftliche Erholung der zentrale Indikator für Fortschritte in Syrien sei. Dabei wurden drei Hauptdimensionen hervorgehoben:
Zum einen die Funktionsfähigkeit der Infrastruktur. Bewertet werden kann diese durch Verbesserungen bei der Stromversorgung, der Wasserversorgung, dem Transportwesen, der Flughafeninfrastruktur, der Zuverlässigkeit kritischer Systeme sowie der öffentlichen Dienstleistungen. Eine spürbare Verbesserung der Stromverfügbarkeit im Vergleich zu den Vorjahren wurde als positives Signal für Bevölkerung und Wirtschaft gewertet.
Zweitens, die wirtschaftliche Aktivität und industrielle Erholung. Hier wurden die Wiedereröffnung von Fabriken, die Wiederaufnahme der Produktion, zunehmender Handel, die Rückkehr von Unternehmern sowie die Gründung neuer Unternehmen und Industrien hervorgehoben. Als Beispiel wurden auch neue industrielle Initiativen genannt, darunter Bemühungen zur Entwicklung des Automobilsektors und zur Modernisierung bestehender Produktionsanlagen.
Zuletzt, die Investitionsfähigkeit und Zugang zu Finanzierung. Die Teilnehmer betonten die Notwendigkeit, von Absichtserklärungen hin zu umsetzbaren und finanzierbaren Projekten überzugehen. Gleichzeitig bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen, darunter eingeschränkter Zugang zum internationalen Finanzsystem, Schwierigkeiten bei Akkreditiven, fehlende Exportkreditgarantien und Versicherungen sowie ungelöste Schuldenfragen und Finanzrestriktionen. Die Bewertung der Schuldentragfähigkeit durch den Internationalen Währungsfonds sowie künftige Restrukturierungspläne wurden als wichtige Schritte in Richtung wirtschaftlicher Normalisierung angesehen.
Ein zentrales Thema war die Bedeutung der syrischen Bevölkerung als wichtigste Ressource des Landes. Die syrische Diaspora hat in den letzten Jahrzehnten in Europa, Nordamerika und anderen Regionen umfangreiche berufliche Erfahrung, finanzielle Mittel und internationale Netzwerke aufgebaut.
Deutschland wurde dabei als eines der wichtigsten Aufnahmeländer syrischer Flüchtlinge genannt, wodurch eine bedeutende Fachkräftebasis entstanden sei, die künftig eine zentrale Rolle im Wiederaufbau spielen könne. Gleichzeitig wurde die Bedeutung einer gemeinsamen syrischen Identität und die Förderung der Rückbindung der Diaspora an das Heimatland betont.
Die Teilnehmer wiesen zudem auf einen Wandel in den Rückkehrmotiven syrischer Staatsbürger hin. Während frühe Besuche nach politischen Veränderungen überwiegend emotional geprägt waren, konzentrieren sich aktuelle Rückkehrbewegungen zunehmend auf konkrete Investitions- und Geschäftsprojekte, insbesondere in den Bereichen Gesundheitswesen, Infrastruktur und Privatsektorentwicklung.
Die Vertreter der Wirtschaft betonten abschließend, dass internationale Unternehmen nicht nur Risiken, sondern auch die erheblichen Chancen eines frühen Engagements in Syrien berücksichtigen sollten. Potenzielle Kooperationsfelder umfassen Industrie, Automobilsektor, Gesundheitswesen, Infrastrukturwiederaufbau, Energie, Technologietransfer, berufliche Ausbildung sowie die Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen. Deutsche Unternehmen wurden ermutigt, eine proaktivere Rolle einzunehmen und Partnerschaften als gegenseitig vorteilhafte Chance zu verstehen.
Das Forum wurde durch zwei geschlossene Gesprächsrunden mit Dr. Ahmed bin Mohammed Al-Sayed, katarischer Staatsminister für Außenhandel des zu Katar abgerundet. Die erste mit einer Auswahl von Führungskräften deutscher Unternehmen. Die zweite fand mit den Präsidenten der arabischen Handelskammern statt.
Zudem fand eine geschlossene Diskussionsrunde über die Zusammenarbeit sowie Partnerschafts- und Geschäftsmöglichkeiten im Irak statt, an der Daniel Krebber, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland im Irak, sowie Vertreter von Ministerien und der deutschen Privatwirtschaft teilnahmen, die Mitglieder der „Irak-Experten-Initiative“ sind.

















