Die diesjährige FIFA-Fußballweltmeisterschaft der Männer wurde erstmals mit 48 Mannschaften ausgetragen, darunter acht arabische Nationalteams: Marokko, Ägypten, Algerien, Tunesien, Saudi-Arabien, Katar, Irak und Jordanien.

Sportlich sorgten insbesondere Marokko und Ägypten für Aufmerksamkeit. Marokko erreichte erneut die K.-o.-Phase und bestätigte seinen Status als eine der stärksten Mannschaften Afrikas. Nach einem 1:1 gegen Brasilien in der Gruppenphase setzte sich das Team im Achtelfinale mit 3:0 gegen Kanada durch. Erst im Viertelfinale endete der Lauf nach einer 0:2-Niederlage gegen Frankreich.

Auch Ägypten schrieb bei der WM 2026 ein bemerkenswertes Kapitel. Die „Pharaonen“ überstanden die Gruppenphase und lieferten sich im Achtelfinale eines der spannendsten Spiele des Turniers gegen den amtierenden Weltmeister Argentinien –Ägypten verlor nach einer 0:2 Führung mit einem dramatischen 3:2.

Beide Teams, Marokko und Ägypten, trugen dazu bei, dass arabische und afrikanische Mannschaften bei der WM 2026 stärker im Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit standen. Für Marokko ist der sportliche Erfolg zudem Teil einer größeren wirtschaftlichen Strategie.

Fußball als Infrastruktur- und Entwicklungsstrategie

Die erfolgreiche FIFA-Weltmeisterschaft 2022 in Katar hat gezeigt, wie sportliche Großereignisse als Katalysator für Infrastrukturentwicklung und wirtschaftliche Impulse dienen können. Ähnlich nutzt nun Marokko die internationale Aufmerksamkeit und Erfolge rund um die WM 2026 für die Vorbereitungen auf die FIFA-Weltmeisterschaft 2030. Das Königreich modernisiert und baut umfassend neue Infrastruktur, um die Mobilität während des Turniers, das in Spanien, Portugal und Marokko ausgetragen wird, zu gewährleisten. Das größte Einzelprojekt ist der Ausbau des Eisenbahnnetzes. Die staatliche Eisenbahngesellschaft ONCF plant Investitionen von rund 96 Mrd. Dirham (etwa 9 Mrd. €) bis 2030. Kernstück ist die Verlängerung der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Kenitra über Rabat und Casablanca nach Marrakesch. Die rund 430 Kilometer lange Verbindung soll bis 2030 fertiggestellt werden und die Fahrzeit zwischen den wichtigsten Wirtschafts- und Tourismuszentren des Landes deutlich verkürzen.

Auch die Stadienlandschaft wird umfassend modernisiert. Mehrere bestehende Arenen werden für die Anforderungen der FIFA aufgerüstet, darunter Stadien in Marrakesch, Agadir und Fès. Gleichzeitig entsteht mit dem Grand Stade Hassan II in El Mansouria in der Provinz Benslimane nahe Casablanca mit voraussichtlich 115.000 Zuschauerplätzen das größte Fußballstadion der Welt. Die Eröffnung ist für 2028 vorgesehen und bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2030 soll das Stadion eine zentrale Rolle einnehmen.

Saudi-Arabien dient für die FIFA-Weltmeisterschaft 2034 als alleiniges Austragungsland, was erhebliche Investitionen in den Sportsektor und die Infrastruktur verspricht. Die Bewerbung des Königreichs sieht 15 Stadien in fünf Austragungsstädten vor, elf davon sollen neu gebaut werden, während vier bestehende Arenen modernisiert werden. Es sind die größten Sport- und Infrastrukturprojekte des Landes.

Das zentrale Projekt ist das King Salman International Stadium im Norden Riads. Die Arena soll im vierten Quartal 2029 fertiggestellt werden, rund 92.000 Zuschauerplätze bieten und sowohl das Eröffnungsspiel als auch das Finale der WM 2034 austragen. Der Komplex umfasst auf einer Fläche von rund 660.000 Quadratmetern neben dem Stadion weitere Sportanlagen, Trainingsplätze und Freizeiteinrichtungen. Weitere Großprojekte sind unter anderem das Aramco Stadium in Al-Chubar mit einer geplanten Kapazität von mehr als 46.000 Zuschauern sowie neue Stadien in NEOM, Qiddiya und Riad.

Der Sportsektor gilt in der saudischen Vision 2030 als wichtiger Treiber der wirtschaftlichen Diversifizierung und soll zur Entwicklung des Tourismussektors, zur Schaffung neuer Arbeitsplätze sowie zur Stärkung der internationalen Wahrnehmung Saudi-Arabiens beitragen. Durch umfangreiche Investitionen in Bereiche wie Fußball, Formel 1, Golf und E-Sports hat sich Saudi-Arabien zu einem bedeutenden globalen Akteur im Sportsektor entwickelt. Mit der Ausrichtung international renommierter Veranstaltungen wie dem Formula 1 STC Saudi Arabian Grand Prix, der Dakar Rally, dem Esports World Cup und hochkarätigen Golfturnieren hat sich das Königreich zudem bereits als wichtiger Austragungsort des globalen Sports etabliert. Zu den bedeutendsten Branchentreffen zählt darüber hinaus das jährlich stattfindende Saudi Sports Investment Forum (SIF), das führende Vertreter aus Sport, Wirtschaft und Politik zusammenbringt, um Investitions- und Kooperationspotenziale im saudischen Sportmarkt zu erörtern. Als Supporting Partner des Saudi Sports Investment Forum unterstützt die Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce and Industry den Austausch zwischen deutschen, europäischen und saudischen Stakeholdern und fördert die Anbahnung neuer Geschäftsbeziehungen sowie die Erschließung von Investitions- und Kooperationsmöglichkeiten im dynamisch wachsenden saudischen Sportsektor.

Grundsätzlich beschränken sich die Investitionen von Saudi-Arabien sowie von Marokko nicht lediglich auf Turnierstätten. Die Weltmeisterschaften werden mit größeren Entwicklungsprogrammen in den Bereichen Verkehr, Städtebau und Tourismus verbunden. Auch wurde der Sport als wichtiger Motor für die Förderung von Talenten, die Persönlichkeitsentwicklung, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und dessen nachhaltige soziale Wirkung, vor allem für die Jugend, erkannt.