Der Wiederaufbau des Sudan hängt maßgeblich von der Wiederherstellung zentraler Infrastruktur und grundlegender Versorgungsstrukturen ab. Funktionsfähige Verkehrswege, eine verlässliche Energieversorgung sowie leistungsfähige Systeme in Landwirtschaft und Gesundheitswesen sind entscheidend, um die Versorgung der Bevölkerung zu sichern, wirtschaftliche Aktivitäten wiederzubeleben und die Voraussetzungen für langfristige Stabilität und nachhaltige Entwicklung zu schaffen.

Der Sudan befindet sich seit April 2023 in einem bewaffneten Konflikt zwischen den Sudanese Armed Forces (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF). Der Übergangs-Souveränitätsrat unter dem Vorsitz von General Abdel Fattah al-Burhan (Transitional Sovereignty Council – TSC) besteht als formelles Staatsorgan fort.  Im Verlauf des Jahres 2025 konnten die SAF ihre Position deutlich festigen. Nach der Rückeroberung Khartums durch die SAF nehmen staatliche Institutionen ihre Arbeit wieder auf und Ministerien kehren nach Khartum zurück. Gleichzeitig treibt die Regierung die Wiedereröffnung von Schulen, Universitäten, Forschungseinrichtungen und weiteren öffentlichen Institutionen voran, um die Rückkehr zu einem geregelten öffentlichen Leben und den Wiederaufbau staatlicher Strukturen zu unterstützen. Die SAF kontrollieren mittlerweile den größten Teil des Ostens, Nordens und der zentralen Regionen des Sudan einschließlich des Zugangs zum Roten Meer, während die RSF noch große Teile Darfurs im Westen des Landes halten. Kordofan gilt derzeit als wichtigste Frontregion des Konflikts, wo die RSF die strategisch bedeutsame Stadt El-Obeid belagern, deren Fall einen direkten Korridor zwischen den von den RSF kontrollierten Gebieten im Westen und den zentralen Landesteilen eröffnen würde.

Große Teile des Landes sind durch die anhaltenden Kämpfe und Versorgungsengpässe von einer der schwersten humanitären Krisen der Gegenwart geprägt. Hungersnot, Vertreibung und der Zusammenbruch wesentlicher Infrastruktur bestimmen vielerorts den Alltag der Bevölkerung. Nach der IPC-Klassifikation waren im Jahr 2025 etwa 21,2 Millionen Menschen im Sudan von akuter Ernährungsunsicherheit (IPC Phase 3 oder höher) betroffen. Das entsprach etwa 45 % der Bevölkerung. Aktuell sind es wohl noch ca. 41% der Bevölkerung. Doch zeichnen sich auch vereinzelt wirtschaftliche und institutionelle Entwicklungen ab, die auf erste Erholungstendenzen und eine schrittweise Stabilisierung hindeuten. Gerade vor dem Hintergrund der humanitären Notlage wird deutlich, dass ein nachhaltiger Wiederaufbau nicht allein eine politische oder humanitäre Aufgabe ist. Die Mobilisierung von Investitionen, der Wiederaufbau wirtschaftlicher Strukturen und die Schaffung von Beschäftigungsperspektiven werden entscheidend dazu beitragen, die Lebensgrundlagen der Menschen im Sudan langfristig zu sichern. Damit rückt die Wirtschaft als wesentlicher Baustein einer zukünftigen Stabilisierung in den Mittelpunkt.

Arabische Liga und der Sudan planen den Wiederaufbau mit Schwerpunkt Verkehr und Mobilität

Die Arabische Liga kündigte am 27. Juli 2026 die Vorbereitung eines umfassenden Wiederaufbauplans für den Sudan an. In diesem Zusammenhang erklärte Mohammed Ahmed al-Ni, Generalsekretär des Rates für Arabische Wirtschaftseinheit (CAEU), eines der wirtschaftspolitischen Fachgremien der Arabischen Liga, dass derzeit eine strukturierte Strategie für den Wiederaufbau des Landes ausgearbeitet werde. Intelligente Verkehrssysteme sollen dabei eine zentrale Säule der Initiative bilden. Der Plan soll auf drei Schwerpunkten beruhen: humanitäre Hilfe, wirtschaftliche Stabilisierung und der langfristige Wiederaufbau der Infrastruktur.

Die Ankündigung erfolgte zeitgleich mit der Eröffnung des dreitägigen Sudanisch-Arabischen Forums für intelligente Verkehrssysteme in Khartum. Die Veranstaltung stand unter dem Motto: „Für eine intelligente und nachhaltige Partnerschaft zum Wiederaufbau des Verkehrssektors“. Vertreter gemeinsamer arabischer Institutionen, staatlicher Stellen sowie Führungskräfte aus der Privatwirtschaft nehmen daran teil.

Der sudanesische Minister für Infrastruktur und Verkehr, Saif al-Nasr Al-Tijani Haroun, stellte potenziellen Partnern und Investoren eine Reihe strategischer Verkehrsprojekte vor. Er rief arabische Finanzinstitutionen und private Unternehmen dazu auf, ihre Zusammenarbeit in der kommenden Phase auszubauen.

Haroun erklärte zudem, dass sein Ministerium eine integrierte strategische Vision zur Modernisierung des nationalen Verkehrssystems umsetze, welche die Sanierung und Modernisierung von Straßen, Brücken, Eisenbahnlinien, Seehäfen, Flusshäfen und Trockenhäfen vorantriebe, damit diese internationalen Standards entsprechen.

Landwirtschaft bleibt entscheidender Sektor im Wiederaufbau – als Arbeitsgeber und Ernährer

Die Landwirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftssektor Sudans und trägt trotz der anhaltenden Konflikte weiterhin maßgeblich zur Beschäftigung, Ernährungssicherung und zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei. Der Sudan verfügt über große Ackerflächen, bedeutende Wasserressourcen entlang des Nils sowie günstige klimatische Bedingungen für den Anbau verschiedener Kulturpflanzen.

Der Agrarsektor, wichtigster Arbeitgeber und zentraler Wachstumsmotor des Sudan, wurde durch den anhaltenden Konflikt erheblich beeinträchtigt. Die Ausweitung der Kampfhandlungen zwang zahlreiche Landwirte zur Aufgabe ihrer Anbauflächen. Zudem verschärften die Plünderung von Nahrungsmittelvorräten und landwirtschaftlichen Geräten, vor allem in den Regionen Al Jazirah und Kordofan, sowie Engpässe bei Saatgut, Düngemitteln und Treibstoff und unterbrochene Handels- und Transportwege die Produktionsbedingungen erheblich. Nach Angaben der Weltbank lag die Getreideproduktion im Jahr 2023 rund 46 % unter dem Vorjahresniveau und etwa 40 % unter dem Durchschnitt der vorangegangenen fünf Jahre. Im aktuellen Bericht  der FAO von März 2026 geht hervor, dass die Getreideproduktion im Jahr 2025 weiterhin rund 22 % unter dem Vorjahresniveau und 19 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt lag.

Das Programm Boosting Agrifood Systems Resilience in Sudan (BOOST) ist ein von der African Development Bank mit rund 100 Mio. US-Dollar finanziertes Entwicklungsprojekt, das den Wiederaufbau des sudanesischen Agrarsektors fördern und dessen Widerstandsfähigkeit gegenüber Konflikten und Klimarisiken stärken. Im Mittelpunkt stehen die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion, die Modernisierung von Wertschöpfungsketten sowie die Verringerung von Nachernteverlusten durch Investitionen in Lagerung, Verarbeitung und Vermarktung. Darüber hinaus soll das Projekt neue Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen, insbesondere für Frauen und Jugendliche, und die Entwicklung kleiner Agrarunternehmen fördern.

Mining: Goldbergbau bleibt Schlüsselbranche

Angesichts des Rückgangs anderer Wirtschaftssektoren kommt dem Bergbau eine wichtige Rolle für die Staatsfinanzen und die Devisenbeschaffung zu. 2025 entfielen mehr als 58 % der gesamten Exporterlöse auf Gold, die damit wichtigste Exportware und bedeutendste Quelle für Deviseneinnahmen des Landes.

Während sich der handwerkliche Goldabbau (ca. 80%) vor allem auf die Bundesstaaten River Nile, Northern State und Red Sea State konzentriert, gilt South Kordofan als einer der wichtigsten Standorte des industriellen Goldbergbaus (ca. 20%). Dort haben nach Angaben der Sudanese Mineral Resources Company (SMRC) zuletzt 17 Bergbau-unternehmen die Produktionsphase aufgenommen, worin die Behörden einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Exporterlöse und zur wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes sehen. Neben Gold verfügt Sudan auch über bedeutende Vorkommen anderer Rohstoffe, darunter Chromit, Kupfer, Eisenerz, Mangan, Gips, Marmor, Talk, Silber und Zink. Wirtschaftlich dominiert jedoch die Goldförderung, da viele andere Rohstoffvorkommen bislang nur begrenzt erschlossen werden.

Eine zentrale Herausforderung bleibt jedoch der Schmuggel. So wurden 2025 offiziellen Angaben zufolge rund 70 Tonnen Gold gefördert, während lediglich 14,7 Tonnen über offizielle Kanäle exportiert wurden. Dass ein erheblicher Teil über informelle Handelswege ins Ausland gelangt, erschwert die Rückverfolgbarkeit und begünstigt die Umgehung bestehender Handels- und Sanktionsregime. Um die Transparenz zu erhöhen, setzt die Regierung verstärkt auf digitale Kontroll- und Rückverfolgungssysteme für Goldtransporte und Bergbauaktivitäten.

Energiesektor im Wandel: Sudan setzt auf Wiederaufbau und Erneuerbare

Der Sudan verlor mit der Unabhängigkeit Südsudans im Jahr 2011 rund 75 % seiner Erdölreserven und einen Großteil seiner damaligen Förderkapazitäten. Bedeutende Fördergebiete verblieben jedoch vor allem in der Kordofan-Region, die zugleich auch für den Binnenstaat Südsudan von entscheidender Bedeutung ist, da dessen Öl durch Pipelines in Kordofan transportiert wird, bevor es nahezu vollständig über sudanesische Hafeninfrastruktur am Roten Meer exportiert wird.

Mit dem Krieg gerieten zentrale Ölregionen ins Visier und Energieinfrastruktur unter Beschuss. Massive Beschädigungen führten dazu, dass der Sudan nunmehr auf den Import raffinierter Erdölprodukte angewiesen ist. Besonders in der Region Kordofan versuchen die SAF und die RSF, die Kontrolle über strategisch bedeutsame Gebiete zu erlangen. Dies führte unter anderem dazu, dass die Produktion des Heglig-Ölfelds, dem Größten des Landes, nach der Einnahme durch die RSF im Dezember 2025 zeitweise zum Erliegen kam. Die Ölförderung erholt sich seither, aber liegt mit rund 30.000 Barrel pro Tag deutlich unter dem Vorkriegsniveau, das etwa doppelt so hoch war. Die Raffinerie in Khartum (Al-Jaili Refinery), die rund zwei Drittel des nationalen Bedarfs an Diesel, Benzin und Flüssiggas deckte, war bereits im Juli 2023 außer Betrieb.

Auch der Stromsektor verzeichnet erhebliche Einbußen. Nach Angaben der UNDP belaufen sich die Schäden an der Elektrizitätsinfrastruktur mittlerweile auf rund 3 Mrd. US-Dollar. Neben Kraftwerken und Übertragungsnetzen waren wiederholt auch strategisch wichtige Anlagen wie der Merowe-Staudamm, der vor dem Krieg ca. 70% des inländischen Strombedarfs deckte, und zugehörige Umspannwerke von Ausfällen und Beschädigungen betroffen.

Aktuell setzt die Regierung auf eine Wiederbelebung des Ölsektors und plant, neue Explorationsblöcke für Investoren zu öffnen sowie bestehende Energieanlagen zu modernisieren. Gleichzeitig sichert das Land seine eigene Erdölversorgung durch diversifizierte Verträge mit unterschiedlichen internationalen Unternehmen. Die Modernisierung und Wiederherstellung der Energie- und Strominfrastruktur zählt daher zu den zentralen Investitionsfeldern des Landes. Parallel wächst der Markt für erneuerbare Energien. Inzwischen stammen mehr als 30 % der Stromerzeugung, nach Angaben des Energieministeriums, aus erneuerbaren Quellen. Die installierte Solarleistung erreichte bis 2025 rund 190 MW, während die Nachfrage nach Photovoltaiklösungen für Haushalte, Landwirtschaft und Unternehmen steigt. Anfang Juni 2026 wurde unter anderem eine neue 10-MW-Solaranlage in Shendi als Teil des nationalen Programms zum Ausbau erneuerbarer Energien vom sudanesischen Energieministerium angekündigt.

Zusätzliche Impulse kommen auch durch das von der Weltbank finanzierte Programm Accelerating Sustainable and Clean Energy and Digital Access Transformation (ASCENT Sudan), das sich zur Aufgabe gemacht hat, 150.000 Menschen mit Strom zu versorgen und verschiedene dezentrale Energieanlagen zu installieren. Die Weltbank genehmigte das Vorhaben am 2. Juni 2025 mit einem Gesamtvolumen von 76,3 Mio. US-Dollar. Das Programm wird über die Trade and Development Bank (TDB) umgesetzt und soll gezielt private Investitionen in die dezentrale Energieversorgung in den Bundesstaaten Northern State, Kassala, Gadaref und River Nile mobilisieren. Die technische Umsetzung erfolgt durch private Projektentwickler, Energieunternehmen und Technologiedienstleister, und unterstreicht die zunehmende Bedeutung privatwirtschaftlicher Akteure beim Ausbau der Energieinfrastruktur.

Gesundheitssektor: Voraussetzung für den Schutz der Bevölkerung und die langfristige wirtschaftliche Erholung

Auch der Wiederaufbau des Gesundheitssektors als zentraler Bestandteil der wirtschaftlichen Stabilisierung ist dringend erforderlich, da der Konflikt kritische Gesundheits-, Wasser- und Sanitärinfrastruktur zerstört und zahlreiche Gesundheitseinrichtungen beschädigt oder außer Betrieb gesetzt hat. Durch den Zusammenbruch medizinischer Versorgungssysteme und sinkende Impfquoten wurde das Risiko von Krankheitsausbrüchen wie Cholera, Masern, Denguefieber und Malaria erheblich erhöht. Die WHO berichtete 2025 von mehr als 3,5 Millionen geschätzten Malariafällen im Sudan. Damit ist Malaria zahlenmäßig vermutlich die größte Krankheitsbelastung. Zusätzlich wurden nach Angaben der WHO zwischen dem 1. Januar und Ende Dezember 2025 im Sudan 72.716 Cholera-Fälle sowie 1.830 Todesfälle erfasst.

Dennoch hat nach Angaben von Gesundheitsminister Haitham Mohamed Ibrahim, im Juli 2026, Sudan den Betrieb von rund 75 Prozent der Krankenhäuser und medizinischen Grundversorgungseinrichtungen wieder aufgenommen und internationale Finanzierungszusagen in Höhe von 293 Mio. US-Dollar für den Wiederaufbau des schwer beschädigten Gesundheitssystems erhalten. Die Regierung vollzieht damit nach der Rückkehr des Gesundheitsministeriums nach Khartum den Übergang von der akuten Notfallversorgung zu einer langfristig ausgerichteten Wiederaufbauphase. Gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) soll eine sogenannte landesweite „Hope Strategy“ umgesetzt werden, die darauf abzielt, die medizinische Grundversorgung und spezialisierte Gesundheitsdienste nachhaltig zu stärken. Die zugesagten Mittel umfassen unter anderem ein 83 Mio.-US-Dollar-Projekt der Weltbank, zwei Projekte der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) mit einem Gesamtvolumen von 70 Mio. US-Dollar sowie ein 140 Mio.-US-Dollar-Programm des Global Fund zur Bekämpfung von Malaria und HIV sowie zur Unterstützung von Impfprogrammen. Zusätzlich wurden weitere Finanzierungszusagen von rund 150 Mio. US-Dollar für die kommenden drei Jahre angekündigt.   

 

Ein Ausblick

Auf dem diesjährigen Arab-German Business Forum Ende Juni (siehe mehr dazu ab Seite 14) vermittelten sudanesische Unternehmensvertreter im Rahmen des Länderroundtables zu Sudan vorsichtigen Optimismus hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Landes.

Positiv hervorgehoben wurde die Rückkehr der Regierung und staatlicher Institutionen nach Khartum, die Wiedereröffnung von Schulen und Universitäten sowie die Wiederaufnahme grundlegender öffentlicher Dienstleistungen in mehreren Bundesstaaten und Regionen. Dies habe zudem die schrittweise Rückkehr der Vereinten Nationen und internationaler humanitärer Organisationen nach Khartum und andere Teile des Landes ermöglicht.

Mit Blick auf die wirtschaftlichen Perspektiven wurden darüber hinaus Entwicklungen in Schlüsselbereichen hervorgehoben, darunter der Elektrizitätssektor, der Bergbau sowie die Freihandelszonen in Port Sudan und Khartum.

Die Botschafterin Ilham Ibrahim Mohamed Ahmed ermutigte interessierte Unternehmen, den direkten Austausch mit sudanesischen Partnern zu suchen, und kündigte an, dass die Botschaft der Republik Sudan weiterhin als Ansprechpartner für die Vermittlung von Geschäftskontakten sowie für weiterführende Informationen zur Verfügung steht. Die Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce and Industry wird voraussichtlich diesen November, für interessierte Unternehmen, eine Delegationsreise in den Sudan organisieren.