Die Diversifizierungsstrategien der arabischen Staaten haben sich in den letzten Jahren zunehmend von reinen Energiefragen hin zu einem breiteren wirtschaftlichen Ansatz verschoben. Die Abhängigkeit von Öl und Gas wird systematisch reduziert, während alternative Einnahmequellen wie Industrie, Finanzdienstleistungen und insbesondere Tourismus stärker in den Fokus rücken. Für die Golfstaaten bedeutet dies, dass neben Luxus, kulinarischen Höhepunkten und internationalen Sportevents auch Länder wie Oman eine eigene Nische entwickeln müssen. Oman setzt dabei auf Authentizität, nachhaltige Angebote und die Kombination von Kultur, Natur und Abenteuer – Elemente, die das Sultanat als Alternative zu Dubai oder Abu Dhabi attraktiv machen.

Trends

Oman verzeichnet seit der Pandemie ein deutliches Wachstum im Tourismussektor. Die Zahl der internationalen Besucher für 2024 beträgt rund vier Millionen, was einen starken Anstieg gegenüber den Vorjahren darstellt, und soll Ende 2025 auf 4,5 Millionen steigen. Auch die Tourismuseinnahmen zeigen eine klare Dynamik: Laut Middle East Briefing trug der Sektor im Jahr 2024 etwa 2,12 Milliarden OMR (≈5,5 Mrd. USD) zum BIP bei, was rund 5,2% der Wirtschaftsleistung entspricht. Ziel der Regierung ist es, diesen Anteil langfristig auf 10 % zu erhöhen, wodurch der Tourismussektor zu einem zentralen Treiber der wirtschaftlichen Diversifizierung wird.

Die Nachfrage verschiebt sich zugleich vom reinen Luxustourismus hin zu einem erlebnisorientierten Angebot. Natur-, Abenteuer- und Kulturtourismus gewinnen stark an Bedeutung, während traditionelle Stadterlebnisse, Museen und kulturelle Sehenswürdigkeiten weiterhin eine stabile Basis bieten. Laut Middle East Briefing investieren sowohl Staat als auch private Akteure intensiv in Infrastruktur, einschließlich neuer Hotels, Flughäfen und nachhaltiger Resorts, um bisher wenig erschlossene Regionen wie Dhofar, Musandam und das Al-Hajar-Gebirge für internationale Gäste zugänglich zu machen. Solche Entwicklungen zeigen, dass Oman die touristische Strategie bewusst langfristig auf Nachhaltigkeit und Diversität ausrichtet.

Aktuelle Schlüsselprojekte

Oman setzt auf konkrete Großprojekte, um den Tourismussektor als zentralen Pfeiler der Diversifizierungsstrategie zu etablieren. So entstehen in der Region Yenkit integrierte Tourismusanlagen, die Hotels, Freizeitangebote und Wohnimmobilien verbinden. Die Projekte eröffnen internationale Investorenbeteiligungen unter klar definierten Rahmenbedingungen, wie Middle East Briefing hervorhebt.

In Dhofar werden mit der Salalah Waterfront und Hawana Salalah bedeutende Küsten- und Wellnessprojekte umgesetzt, die sowohl internationale Besucher als auch lokale Gäste ansprechen. Travel and Tour World berichtet, dass diese Projekte mehrere hundert Millionen US-Dollar umfassen und gleichzeitig tausende Arbeitsplätze schaffen sollen.

Auch das Hochgebirge Al-Hajar wird stärker erschlossen. Resorts wie Alila Jabal Akhdar verbinden Luxusunterkünfte mit Natur- und Abenteuererlebnissen und fördern lokale Wirtschaftskreisläufe, wie Times of Oman betont. Zudem ermöglichen sogenannte Integrated Tourism Complexes (ITCs) Investoren den Erwerb von Immobilien und kombinieren Hotel-, Freizeit- und Wohnnutzung innerhalb eines rechtlich geschützten Rahmens. Laut FDI Intelligence erleichtert die omanische Regierung diese Projekte mit regulatorischen Erleichterungen und gezielten Investitionsanreizen.

Diese Projekte zeigen, dass Oman nicht nur quantitativ expandiert, sondern qualitativ differenziert. Die Mischung aus Natur-, Kultur- und Luxuserlebnissen schafft ein eigenständiges Profil, das Oman als klares, nachhaltiges, und authentisches Reiseziel im Golfraum positioniert.

Investitionschancen

Für Investoren eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten. Die Regierung bietet steuerliche Anreize, 100 %-Auslandsbeteiligungen und vereinfachte Genehmigungsverfahren über das Ministry of Heritage and Tourism. Attraktiv sind insbesondere Bereiche wie nachhaltige Hotels, Erlebnis- und Abenteuerangebote, Kulturzentren sowie digitale Dienstleistungen rund um den Tourismussektor.

Der Markt ist noch vergleichsweise unerschlossen: Während Dubai oder Abu Dhabi bereits hohe Marktpenetration aufweisen, bietet Oman Raum für Wachstum in bisher wenig entwickelten Regionen. Der Sektor wächst stark, die Wertschöpfung stieg laut Times of Oman im ersten Quartal 2025 um 11,7 % auf 202 Mio. OMR. Gleichzeitig prognostiziert die Branche eine jährliche Wachstumsrate von 6,3 % im Gastgewerbe bis 2026. Diese Dynamik macht Oman für Investoren interessant, die langfristige Marktanteile sichern und gleichzeitig von staatlicher Förderung profitieren möchten.

Darüber hinaus eröffnet die Kombination aus nachhaltigem Tourismus und Erlebnisangeboten strategische Wettbewerbsvorteile: Oman kann eine Position zwischen Massentourismus und Ultra-Luxussegment einnehmen, die sowohl ökonomisch als auch kulturell tragfähig ist.

Ausblick

Die Perspektiven für Oman sind positiv: Laut Times of Oman plant das Sultanat, die Zahl der internationalen Touristen bis 2040 auf 11 Millionen pro Jahr zu steigern, unterstützt durch geplante Investitionen von 20 bis 31 Mrd. USD. Damit wird Tourismus nicht nur als Einnahmequelle, sondern als Hebel für wirtschaftliche Transformation und regionale Entwicklung eingesetzt.

Oman zeigt, wie Diversifizierungsstrategien im arabischen Raum nicht ausschließlich auf Energieunabhängigkeit setzen müssen, sondern über gezielten Ausbau von Dienstleistungen, Erlebnis- und Kulturtourismus zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung führen können. Für Investoren bedeutet dies: Frühe Marktteilnahme in einem wachsenden, unterstützten und differenzierten Markt kann sowohl ökonomisch attraktiv als auch strategisch wertvoll sein.