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4. Deutsch-Arabisches Gesundheitsforum in Hamburg
21. - 22. Oktober 2009

Der Gesundheitsmarkt ist ein wichtiger Pfeiler der deutsch-arabischen Wirtschaftsbeziehungen, aber es bleibt noch viel Potenzial zu nutzen. Das ist der Tenor des 4. Deutsch-Arabischen Gesundheitsforums, das die Ghorfa am 21. und 22. Oktober 2009 zum zweiten Mal in Hamburg veranstaltete. Ole von Beust, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt, hatte die Schirmherrschaft übernommen.

Hamburgs Internationalität zeige sich auch im Gesundheitswesen, wie Frank Horch, Präses der Handelskammer Hamburg und Hausherr des Forums, bei der Begrüßung der etwa 250 Gäste hervorhob. Nicht nur unterhalte der Stadtstaat lange währende Beziehungen in die arabischen Länder, sondern die Gesundheitswirtschaft trage mit 90.000 Arbeitsplätzen und von zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts wesentlich zur Wirtschaftskraft der Hafenstadt bei.

Ein großer Anteil daran kommt dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zu, neben Handelskammer und dem Senat der Freien und Hansestadt weiterer Kooperationspartner des Gesundheitsforums. Es ist das größte unter den fünfzig Hospitälern Hamburgs mit insgesamt 120.000 Betten, wie Dr. Mathias Goyen, Geschäftsführer der UKE Consult and Management GmbH, herausstellte, mit einer besonderen Kompetenz für Patienten aus den arabischen Ländern sowie Krankenhausplanung und -management in der Region.

Das Zukunftspotenzial der „Job-Maschine“ Gesundheitswirtschaft betonte auch im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg Staatssekretärin (Staatsrätin der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz, Bereich Gesundheit, Familie und Jugend )Dr. Angelika Kempfert, die herausstellte, dass angesichts der Wirtschaftskrise sich die Gesundheitswirtschaft „als erstaunlich krisenfest erwiesen“ habe.

Die noch weiter zunehmende Bedeutung des Gesundheitsmarktes in den arabischen Ländern liege in der wachsenden Bevölkerung, deren zunehmendem Wohlstand und höherer Lebenserwartung begründet, so Ghorfa-Präsident Dr. Thomas Bach. Allein in Saudi-Arabien werde die Zahl der Kliniken bis 2015 um dreißig Prozent steigen. Ähnliche Programme stehen in den anderen arabischen Golfstaaten auf dem Programm, und auch Irak und die Maghrebstaaten bauen ihre Gesundheitssysteme aus, so Dr. Bach. Er mahnte die Bildung strategischer Partnerschaften an, um das bei weitem noch nicht genutzte Potenzial zu nutzen. Insbesondere komme es darauf an, mehr Studenten aus arabischen Ländern in Deutschland auszubilden.

Noch nicht ausgeschöpftes Potenzial: dies war auch der Tenor der Rede von Prof. Dr. med. Ossama Abdulmajed Ali Shobokshi, Botschafter des Königreichs Saudi-Arabien. Er ermunterte Industrie und Dienstleister aus Deutschland zu mehr Engagement in den arabischen Ländern, und zwar in allen medizinischen Bereichen: Medizintechnik, Pharmaindustrie, Krankenhausbau, Krankenversicherung, Ausbildung, Gesundheitstourismus. Dem nach den Worten des ehemaligen Gesundheitsministers noch zu zurückhaltenden Engagement Deutschlands stehe dessen ausgezeichneter Ruf in allen genannten medizinischen Disziplinen gegenüber, der aus einer an Tradition und Vertrauen reichen Zusammenarbeit herrühre.

Zur Kooperation insbesondere mit Jordanien rief Daifallah Yousef Suleiman Allouzi auf, Generalsekretär im jordanischen Gesundheitsministerium. Er verwies auf einen Weltbank-Bericht, wonach seinem Land ein hohes Niveau des medizinischen Standards bescheinigt worden sei. Er hob zudem das gut entwickelte öffentliche und private Krankenversicherungssystem des Haschemitischen Königreichs hervor.

Viel Aufmerksamkeit widmete das Gesundheitsforum dem Thema Krankenversicherung, denn steigender medizinischer Standard und wachsende durchschnittliche Lebenserwartung führen zu höheren Gesundheitskosten, kurz: ärztliche Vorsorge und Behandlung müssen bezahlbar bleiben. Dies kann durch ein -privates oder gesetzliches - Versicherungssystem beherrscht werden. Vertreter beider, in Deutschland traditionsreicher Systeme stellten deren Vorteile heraus. Der Ausbau beider Systeme steht in den arabischen Ländern weit oben auf der Prioritätenliste. Die Suche nach Kooperation stellte Khaldun Abu Hassan, Chairmann des Jordanian German Business Council, heraus. Viel Potenzial bestehe für die Assekuranz besonders in den wohlhabenden Golfstaaten, sagte der ehemalige Vorstandsvorsitzende der traditionsreichen Jordan Insurance Company.

Neue Wege verlangt auch die Ausbildung angehender Ärzte und Pflegepersonals. Thumbay Moideen, Präsident und Gründer der Gulf Medical University, beschrieb den Erfolg privater Ausbildungskrankenhäuser in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Moderne Unterrichtsmethoden wie e-learning machen einen großen Teil der Curricula aus.

Voran schreitende Medizintechnik erfordert lebenslanges Lernen. Das Aufgliedern der Operationstechniken in Lernmodule hat, so Dr. Thorsten Lüdtke, General Manager International Business der Olympus Winter & Ibe GmbH, messbare Fortschritte bei Ergebnissen und zeitlicher Dauer von Operationen ergeben. Der Pilotenausbildung entlehnt ist die chirurgische Ausbildung am Simulator. Mediziner lernen, so Dr. Andreas Pommert vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, OP-Techniken erst am Modell, bevor sie ihre risikoreiche Arbeit am Menschen ausüben.

Mit e-health und Telemedizin hat die Zukunft der Medizin bereits begonnen. Dadurch lässt sich nicht nur die Wirtschaftlichkeit einer Klinik oder Arztpraxis steigern, sondern auch der Kontakt in schwach besiedelten Regionen zwischen Arzt und Patient ermöglicht, wie Referenten der Universitätskliniken Hamburg-Eppendorf und Bayreuth sowie der Unternehmen IBM und SAP übereinstimmend belegten.

Ein weiterer Zukunftsaspekt medizinischer Ausbildung ist ihre Internationalisierung. Eine Ausbildung, die nur auf die Bedürfnisse des ausbildenden Landes ausgelegt ist, sei lt. Leonore Boscher, Leiterin des International Office am UKE, nicht mehr zeitgemäß. Angesichts auch internationaler werdender Patientenströme sei die Einführung eines MBA für Medizintourismus wünschenswert.

Ein anderer Aspekt der Internationalisierung sind Planung, Bau und Management von Krankenhäusern. Dr. Mathias Goyen, Geschäftsführer der UKE Management und Consult GmbH, zeigte erfolgreiche Beispiele des Wissensexports nach Kuwait, Dubai und Jemen. Architekten und Bauingenieure sekundierten ihm mit vielen detaillierten Ausführungen über die Komplexität von Planung und Bau eines Krankenhauses.

Zu den Wachstumsbranchen in den arabischen Ländern gehört auch die Pharmaindustrie. 2,1 Prozent des weltweiten Pharmakaverbrauchs entfallen zurzeit auf die Region mit einem Volumen von mehr als zwölf Milliarden US-Dollar. Die Zukunft liege in strategischen Partnerschaften bei Herstellung, Marketing und Vertrieb sowie in eigener Forschung und Entwicklung, erläuterte Ahmad Al-Chihabi, Geschäftsführer und Präsident der syrischen Alpha Pharmaceuticals. In der Pharmaentwicklung Deutschlands liegt die Zukunft der Pharmaindustrie in der Biotechnologie. Zwischen 2000 und 2006 hat sich ihr Marktanteil auf 16 Prozent verdoppelt. 2010 werden biotechnologische Produkte die Hälfte der neuen Pharmaerzeugnisse ausmachen, so Dr. Bettina Heidenreich von der Unternehmensberatung Tews & Kollegen.

Neben den wirtschaftlichen kamen auch medizinische Themen zur Sprache, so z. B. neueste Entwicklungen in der minimal-invasiven Chirurgie bei Herz-, Bauch- und Nierenoperationen sowie in der Prothetik. Weitere Aspekte lieferten Referate zur Rehabilitation von Fehlentwicklungen und Verletzungen sowie zur Diabetes, die insbesondere bei Jugendlichen aufgrund Übergewichts zunimmt,

Die Gesundheitswirtschaft bleibt eine Wachstumsbranche, wie Rechtsanwalt Dr. Phillip von Randow, prophezeite. Besonders gelte dies für die Golfstaaten, in denen die medizinische Versorgung besonders nachhaltig ausgebaut werde. Sowohl die damit verbundenen hohen Investitionen als auch die steigenden Kosten der medizinischen Versorgung machen eine Stärkung der Rolle des Privatsektors erforderlich. Doch nicht nur die medizinische Versorgung, auch Wissenschaft und Forschung werden in der Golfregion weiter ausgebaut.

Das Forum habe das hohe Niveau der Internationalität Hamburgs als Gesundheitsstandort unter Beweis gestellt, resümierte Heinz Werner Dieckmann stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg. 2010 wird die Stadt beim 5. Deutsch-Arabischen Gesundheitsforum diesen Beweis erneut erbringen.




 
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